Liebe Pflanzenfreunde!
Diesen hellblauen Acker-Gauchheil habe ich vor kurzem auf einer Ruderalfläche bei Vöhringen/Sulz, Kr. Rottweil, BaWü, gefunden, zusammen mit Anagallis arvensis und Arvensis lilacina. Ich habe sie für eine hellblaue Form von Anagallis foemina gehalten.
Nun habe ich von einer Kreuzung von Anagallis arvensis uns Anagallis foemina gelesen, Anagallis x doerfleri. Kann es in diese Richtung gehen?
Ich weiß, daß Anagallis jetzt Lysimachia heißt!
Liebe Grüße
Jochen
hellblauer Acker-Gauchheil
Forumsregeln
Bitte immer den Fundort (Land, Stadt, Habitat etc.) und das Funddatum angeben. TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg im Forum.
Bitte immer den Fundort (Land, Stadt, Habitat etc.) und das Funddatum angeben. TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg im Forum.
- Anagallis
- Unfreundlicher Muffkopf
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Re: hellblauer Acker-Gauchheil
Hallo Jochen,
für eine richtige Bestimmung bräuchte ich eine Detailaufnahme des Kronblattrandes (so daß man eventuelle Drüsen erkennt) und die Blattfarbe.
Nichtsdestotrotz sieht man genug, um L arvensis und L. loeflingii auszuschließen: Zum einen ist der Kronblattrand grob gezähnt, wie es für L. foemina typisch ist. L. arvensis/loeflingii haben einen kaum gezähnten Rand mit zahlreichen Drüsen. Außerdem scheinen die Blätter speckig grün zu sein, d. h. etwas bläulich und glänzend - auch ein Merkmal von L. foemina. Die anderen beiden Arten haben sattgrüne Blätter. Woher die helleblaue Krone kommt, läßt sich mit dem Bild nicht sagen. Hybrideinfluß kann ich nicht ausschließen, aber konkrete Hinweise darauf sind nicht zu sehen. Grundsätzlich neigt die Gattung zu Farbvarianten, vermutlich weil die Kronblattfarbe aus einer Kombination mehrerer Farbstoffe entsteht.
(Die Umbenennung stinkt mir ziemlich (siehe mein Forenname), aber blöderweise gibt es den Namen A. loeflingii nicht, nur L. loeflingii. Man kann schlecht den neuen Namen auf Artrang akzeptieren und für den Rest noch von Anagallis reden.)
für eine richtige Bestimmung bräuchte ich eine Detailaufnahme des Kronblattrandes (so daß man eventuelle Drüsen erkennt) und die Blattfarbe.
Nichtsdestotrotz sieht man genug, um L arvensis und L. loeflingii auszuschließen: Zum einen ist der Kronblattrand grob gezähnt, wie es für L. foemina typisch ist. L. arvensis/loeflingii haben einen kaum gezähnten Rand mit zahlreichen Drüsen. Außerdem scheinen die Blätter speckig grün zu sein, d. h. etwas bläulich und glänzend - auch ein Merkmal von L. foemina. Die anderen beiden Arten haben sattgrüne Blätter. Woher die helleblaue Krone kommt, läßt sich mit dem Bild nicht sagen. Hybrideinfluß kann ich nicht ausschließen, aber konkrete Hinweise darauf sind nicht zu sehen. Grundsätzlich neigt die Gattung zu Farbvarianten, vermutlich weil die Kronblattfarbe aus einer Kombination mehrerer Farbstoffe entsteht.
(Die Umbenennung stinkt mir ziemlich (siehe mein Forenname), aber blöderweise gibt es den Namen A. loeflingii nicht, nur L. loeflingii. Man kann schlecht den neuen Namen auf Artrang akzeptieren und für den Rest noch von Anagallis reden.)
Dominik
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Kraichgauer
- Beiträge: 2312
- Registriert: Mi Jun 22, 2022 10:18 pm
- Wohnort: Bruchsal
Re: hellblauer Acker-Gauchheil
Das mit der Rückkehr zu Anagallis wird wohl nichts mehr. Die letzte Phylogenie (https://link.springer.com/article/10.11 ... 23-04363-z) zeigt, dass man mindestens 8 Gattungen bräuchte, um Lysimachia zu zerlegen. Dazu kommt noch, dass der Gattungstypus Lysimachia vulgaris in einem "kleinen" Clade auftaucht und man deswegen die 200+ Arten der "großen" Lysimachia-Clades bei einem Split alle umbenennen müsste. Das will auch niemand.
Gruß Michael
Gruß Michael
Re: hellblauer Acker-Gauchheil
Wenn man aufgrund der "letzten Phylogenie" der Meinung ist, dass Lysimachia im derzeit propagierten Umfang polyphyletisch ist, aber das, was bisher schon an Unterscheidungen durch die Gattungsnamen da war, aus Konsequenzgründen einstampft, dann sieht man ja eigentlich schon recht deutlich, wie "konsequent" sich die Nomenklatur nach der "Phylogenie" richten kann. Aber für manch einen muss die Absurdität wohl noch etwas weiter getrieben werden, um einen Erkenntnisfunken auszulösen.
-
Kraichgauer
- Beiträge: 2312
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Re: hellblauer Acker-Gauchheil
Das habe ich nirgends behauptet. Lysimachia (s. l.) ist aufgrund der neuesten Phylogenie monophyletisch. Und ja, die Nomenklatur muss sich an der Phylogenie ausrichten, das ist nun mal das Gesetz des von der weltweiten Vollversammlung der Botaniker verabschiedeten Codes.
Eine polyphyletische Einheit (also Gattung, Familie etc.) darf es nach dem Code nicht geben, auch wenn sich viele danach sehnen.
Das Einzige, was hier flexibel ist, ist die Frage, auf welchem Niveau man die monophyletischen Entitäten definiert. Man kann also
(a) die Gattung Lysimachia sensu lato führen - so wie gerade weitgehend in der Community akzeptiert -
oder
(b) Lysimachia in zahllose Gattungen splitten, aber mit der unangenehmen Konsequenz, dass man dann auch die bisherige Gattung Lysimachia (s. str.) noch weiter atomisieren muss (und dann Probleme bekommt, morphologische Trennmerkmale zu finden) und außerdem fast alle bisher darin gezählten Arten umkombinieren muss.
Für eine Entscheidung/Abstimmung darüber fehlt derzeit ein Gremium (bei den Farnen hat sich allerdings gerade PPG-II etabliert, was auch über Gattungen abstimmt, während APG-IV oder -V nur auf Familienebene operiert), sondern es zählt die gelebte Praxis der (weltweiten, und nicht lokalen) Community. Und da ist derzeit Lösung (a) im weltweiten Gebrauch.
Wenn Du das ändern willst und Deine Sicht der weltweiten Community nahebringen, müsstest Du entweder ein Paper in einem großen Journal veröffentlichen, in dem das ausführlich begründet wird, plus einen Herausgeber finden, der 200+ neue Kombinationen akzeptiert, oder z. B. in die Experten-Gremien von World Flora Online einsteigen und diese überzeugen, das dort anders zu machen.
Gruß Michael
Eine polyphyletische Einheit (also Gattung, Familie etc.) darf es nach dem Code nicht geben, auch wenn sich viele danach sehnen.
Das Einzige, was hier flexibel ist, ist die Frage, auf welchem Niveau man die monophyletischen Entitäten definiert. Man kann also
(a) die Gattung Lysimachia sensu lato führen - so wie gerade weitgehend in der Community akzeptiert -
oder
(b) Lysimachia in zahllose Gattungen splitten, aber mit der unangenehmen Konsequenz, dass man dann auch die bisherige Gattung Lysimachia (s. str.) noch weiter atomisieren muss (und dann Probleme bekommt, morphologische Trennmerkmale zu finden) und außerdem fast alle bisher darin gezählten Arten umkombinieren muss.
Für eine Entscheidung/Abstimmung darüber fehlt derzeit ein Gremium (bei den Farnen hat sich allerdings gerade PPG-II etabliert, was auch über Gattungen abstimmt, während APG-IV oder -V nur auf Familienebene operiert), sondern es zählt die gelebte Praxis der (weltweiten, und nicht lokalen) Community. Und da ist derzeit Lösung (a) im weltweiten Gebrauch.
Wenn Du das ändern willst und Deine Sicht der weltweiten Community nahebringen, müsstest Du entweder ein Paper in einem großen Journal veröffentlichen, in dem das ausführlich begründet wird, plus einen Herausgeber finden, der 200+ neue Kombinationen akzeptiert, oder z. B. in die Experten-Gremien von World Flora Online einsteigen und diese überzeugen, das dort anders zu machen.
Gruß Michael