Opuntia - welche?

Bestimmungsanfragen für europäische Wildpflanzen.
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Bitte immer den Fundort (Land, Stadt, Habitat etc.) und das Funddatum angeben. TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg im Forum.
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botanix
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Opuntia - welche?

Beitrag von botanix »

Hallo,

die Frage nach der Artzugehörigkeit der bei Gießen ursprünglich angesalbten, aber seit der Erstbeobachtung 1998 zunehmend verwildernden (mit Sämlingen, Jungpflanzen, oft auch bewurzelnden "Ohren") Opuntia-Sippen konnte ich bislang nicht sicher beantworten. Ursprünglich war im unteren Bereich der südexponierten Basalthalde je eine etwa einen Quadratmeter bedeckene gelb bzw. rosa blühende Gruppe zu sehen. Von den rosa blühenden Opuntien sind es jetzt fünf bis 1 m² große Gruppen, die gelb blühenden haben sich über den freien Hang verteilt, in Summe über 10 m². In 2024 fand sich eine fast dornenlose Gruppe, von der ich allerdings jetzt erst die Knospen sah.
Nach der Vergleichstabelle mit 7 Arten von ESSL in Floristische Rundbriefe 40: 49-58, Bochum 2007: OPUNTIA PHAEACANTHA ENGELM IN ÖSTERREICH, neige ich dazu die gelb und altrosa blühenden Pflanzen als Opuntia phaeacantha anzusprechen. Die Glieder sind überwiegend in der oberen Hälfte bestachelt, wenige bis etwa 4 cm lange Stacheln pro Areole. Überwiegend 5-6 Areolen pro Reihe. Die gelben Blüten besitzen allenfalls schwach bräunlich-rötliche Bereiche im Zentrum. Die Staubfäden sind cremefarbig, die Narben, auch bei den altrosa farbigen Blüten, grün. Letzteres Merkmal trennt die meisten Arten der Tabelle von O. macrorhiza mit cremefarbenen bis gelblichen Narben und O. humifusa mit weißen Narben. Bis auf O. polyacantha (und deren Hybridsippe mit O. macrorhiza: O. tortispina, wenige Stacheln) sollen die Früchte unbestachelt sein. Opuntia macrorrhiza soll nach Flora Germanica II: 1079 "ausgesprochen dicke Rhizome" haben, in der Tabelle von Essl wird nur bei O. tortispina "gelegentlich mit verdicktem Wurzelstock" geschrieben. Michael "Kraichgauer" hatte mir gegenüber die O. macrorhiza ins Spiel gebracht.
Langer Text, jetzt Fotos aus mehreren Jahren.
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Sämlinge in 2008:
IMG_5438.JPG
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IMG_5444.JPG
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Gelb blühende Pflanzen im Juni, Früchte November:
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IMG_5535.JPG
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IMG_8196.JPG
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IMG_8193.JPG
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Rosa blühende Pflanzen:
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botanix
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Re: Opuntia - welche?

Beitrag von botanix »

Heute waren die ersten Blüten offen, nur bei der vermuteten O. humifusa nicht. Bei mehreren Exemplaren wurde versucht diese auszugraben (felsig :-/ ) um zu sehen ob ein verdicktes Rhizom vorhanden ist. Bei einer Pflanze konnte so ähnliches beobachtet werden, allerdings könnte dies m. M. nach auch ein Sämling gewesen sein, dessen zunehmend größere Blattglieder zu einer aufliegenden, später etwas übererdeten Wuchsform der untersten Glieder geführt haben. Bei anderen Pflanzen waren nur normale Wurzeln zu sehen, bewurzelte Ohren haben nur normale Wurzeln.
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Verdicktes Rhizom oder nur liegende Wuchsform der unteren Segmente?
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IMG_5381.jpg
IMG_5381.jpg
IMG_5380.jpg
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Andere Pflanzen normal bewurzelt: [wie man sieht, werde die Ohren auch befressen]
IMG_5387.jpg
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IMG_5397.jpg
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Die dornenlose vermutete O. humifusa:
IMG_5390.jpg
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Habitatfoto aus 2008, seitdem hat doch merklich Verbuschung eingesetzt:
IMG_8192.JPG
IMG_8192.JPG
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Wie sind eure Meinungen zu den gezeigten Pflanzen?

Danke & viele Grüße
Peter
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botanix
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Re: Opuntia - welche?

Beitrag von botanix »

Hallo,
bin gerade sehr überrascht: https://www.inaturalist.org/observations/299454003 [die von mir seit 25 Jahren beobachtete Population]
Es wird "Opuntia cymochila" bestimmt - nie gehört, nicht in Florenliste D, auch nicht als Synonym, nicht in Flora Germanica, Worldplants, Catalog of life. Bei Powo gibt es einen nicht sehr erhellenden Eintrag.
Ein wenig Informationen: https://cacti.ch/opuntia-cymochila/?v=762ed6822054
In der Liste der Opuntia-Arten dort taucht O. phaeacantha nicht auf.
Diese kommentarlosen Bestimmungen bei iNaturalist sind ein Greuel :-((
Grüße
Peter
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Anagallis
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Re: Opuntia - welche?

Beitrag von Anagallis »

Wenn ich das richtig lese, wird das Taxon in der Regel als Synonym von O. phaeacantha betrachtet? Unter "cacti.ch" würde ich Kaktusenthusiasten vermuten, die gerne möglichst viele Arten splitten wollen.
Dominik
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botanix
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Re: Opuntia - welche?

Beitrag von botanix »

Hallo Dominik,

den Zusammenhang konnte ich nicht finden. Unter O. phaeacantha findet sich kein entsprechendes Synonym.
Wie kommen die Listen für Hessen auf den Namen O. cymochila?
Opuntia phaeacantha https://www.inaturalist.org/observations/368592438 ähnelt der rosablütigen Sippe bei Gießen sehr.
alle Opuntia bei iNat: https://www.inaturalist.org/observations?taxon_id=47902
Opuntia humifusa, macrorhiza, mesacantha, tortispina-Funde sind auch noch bei iNat vertreten.
Aber Funde dieser Opuntia cymochila sind bei iNat häufiger, auch im Kaiserstuhl, Tschechien. Ich frage mich nur wie diese Arten alle bestimmt wurden, zumal es auch Hybriden gibt, insbesondere bei den kultivierten Pflanzen. In Europa kann es sich ja nur um Abkömmlinge aus Kultur handeln. Vor Jahren hatte ich mir Literatur bei der Deutschen Kakteengesellschaft ausgeliehen, aber auch damit keine sichere Bestimmung erreicht.
Die Bestimmungen der iNaturalisten bei diesem Fund... https://www.inaturalist.org/observations/68319652

Grüße
Peter
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Anagallis
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Re: Opuntia - welche?

Beitrag von Anagallis »

Ich würde die Opuntia-Bestimmungen auf inaturalist ignorieren und davon ausgehen, daß die entweder geraten sind oder aus einer KI stammen. Mit solchen Fotos wie hinter dem Link kann man keine Opuntien bestimmen. Leute mit 50.000 bis 100.000 Bestimmungen in viereinhalb Jahren können sich sowieso keine Mühe mit den Bestimmungen gegeben haben. (56311/4,5 Jahre = 34 Bestimmungen pro Tag im Schnitt).
Dominik
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