Vicia dumetorum (am Hochrhein)

Zeigt hier eure Pflanzenbilder, zu denen keine Bestimmung mehr benötigt wird
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abeja
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Vicia dumetorum (am Hochrhein)

Beitrag von abeja »

Hallo,
vielleicht für manche eine "Allerweltspflanze", aber ich kannte sie noch nicht.

Die Hecken-Wicke, Vicia dumetorum, sah ich am Waldrand (Buchenmischwald auf Kalk, ca. 380 m Höhe), nach Osten ausgerichtete Strauchschicht am Weg, daneben Wiese. Mit Sicherheit ist sie da nicht neu - ich muss sie immer übersehen haben. Jetzt fiel sie mir auch nur auf, weil die Blüten sehr eifrig von einer hummelähnlichen Wildbienen-Art (EDIT: die doch ganz normale Acker-Hummeln waren, wenn auch recht klein und zierlich) besucht wurden. (Die Insekten stelle ich an anderer Stelle ein).

Nach Bestimmungsabgleich schaute ich mir die Karte bei Flora-Web an, das ist ja wieder mal eine sehr seltsame Verteilung ...
https://www.floraweb.de/webkarten/karte.html?taxnr=6308
Lt. Wiki kommt sie auch in den bekannten Gebieten nur zerstreut vor und ist nirgendwo häufig. In meinem Umfeld ist sie gar nicht gelistet (hoppla! - mein erster Fund, der noch nicht verzeichnet ist ... )
(EDIT : bei http://www.florabw.recorder-d.de/ doch bereits gelistet, Fundmeldung von 2013)
Vicia dumetorum-a_Hecken-Wicke_07-2022.jpg
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Viele Grüße von abeja
hegau
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Re: Vicia dumetorum (am Hochrhein)

Beitrag von hegau »

Lt. Wiki kommt sie auch in den bekannten Gebieten nur zerstreut vor und ist nirgendwo häufig. In meinem Umfeld ist sie gar nicht gelistet (hoppla! - mein erster Fund, der noch nicht verzeichnet ist ... )
Also hier im Hegau ist die recht häufig...

Gruß Thomas
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abeja
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Re: Vicia dumetorum (am Hochrhein)

Beitrag von abeja »

Dann muss einer den Wiki-Artikel umschreiben: im Hegau häufig! :)

Ich bezweifele das überhaupt nicht, ich wundere mich eher über die "Nicht-Häufigkeit" bzw. "Gar-nicht-Vorhandenheit" in anderen Gebieten, weil besondere Ansprüche hat die Pflanze doch gar nicht ...
Viele Grüße von abeja
Botanica
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Re: Vicia dumetorum (am Hochrhein)

Beitrag von Botanica »

Hallo abeja,

gratuliere, hervorragende Fotos dieser Art


Viele Grüße

Harry
Cogito, ergo sum
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abeja
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Re: Vicia dumetorum (am Hochrhein)

Beitrag von abeja »

Danke Harry!
Ich bin bei der Hitze ... aber am/ im schattigen Wald glatt 5 Grad weniger als sonst angezeigt wurde ... noch mal an den Pflanzen vorbei. Genau 14 Tage später sind sie so gut wie verblüht, dafür sind die Hülsen größenmäßig wohl ausgereift, immer noch grün, aber recht hart. Drinnen sind relativ große kugelige Samen. (Fotos werde ich noch ergänzen)
Da fragt sich vielleicht manche/r "essbar oder nicht"? Allg. ist die Nutzung von Wicken-Arten (auch der Blätter und Blüten) "aus der Vorzeit bekannt" (lt. Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen). Es wird da jedoch nicht nach Arten unterschieden, nur ein paar genannt. Empfohlen wird aber so etwas wie länger/ über Nacht einweichen (auch der grünen Pflanzenteile) und Wasser weggießen, abkochen etc. Besonders in den Samen gibt es "von Art zu Art schwankende toxische Inhaltsstoffe", die im Weiteren auch aufgezählt werden. Also meiner Meinung nach ... eher "weniger reizvoll".
Viele Grüße von abeja
Kraichgauer
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Re: Vicia dumetorum (am Hochrhein)

Beitrag von Kraichgauer »

Alle Hülsenfrüchte, auch die als Nahrung genutzten, enthalten wechselnde Konzentrationen von Pyrrolizidin-Alkaloiden, die ja in hoher Konzentration ziemlichen Ärger machen können (vgl. die Diskussionen um Senecio/Jacobaea). Da aber Linsen, Erbsen, Bohnen und Verwandte nicht ohne größeren Schaden für die Menschheit verboten werden können, verschweigt man dieses Thema gerne.
Es gibt darüber hinaus einige Hülsenfrüchte, die für den menschlichen Verzehr grundsätzlich ungeeignet sein sollen, warum auch immer - die Saubohne fällt mir hierzu ein.

Im Fall von Vicia dumetorum könnte ich mir aber schlicht vorstellen, dass die frühen Siedler bereits mit vorselektierten, im Nahen Osten "optimierten" Hülsenfrüchten hier angekommen sind und die Notwendigkeit für die Kultivierung und Selektion heimischer Arten nicht mehr gegeben war, selbst wenn sie prinzipiell verzehrbar wären. Vielleicht ist die schattenliebende Art auch für Äcker nicht geeignet. Und dann hat eben keiner damit gearbeitet.

Gruß Michael
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abeja
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Re: Vicia dumetorum (am Hochrhein)

Beitrag von abeja »

Als Ergänzung noch ein etwas schärferes ;) Foto von den Früchten an der ziemlich ausgebreitet "herumwuchernden" Pflanze,
plus Hülse geöffnet mit Samen.
Vicia dumetorum Früchte 07-2022.jpg
Vicia dumetorum Früchte 07-2022.jpg (127.55 KiB) 480 mal betrachtet
Vicia dumetorum Früchte Samen 07-2022.jpg
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Viele Grüße von abeja
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abeja
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Re: Vicia dumetorum (am Hochrhein)

Beitrag von abeja »

Von der geöffneten Frucht hatte ich die grünen Samen mitgenommen, inzwischen waren sie braun und schrumpelig geworden ...

Richtig reif muss das aber so aussehen, Fotos vom 30.07.:
Hülse gebräunt und Samen matt-schwarz, mit ausgeprägter Naht.
(bei Wiki steht "matt dunkelbraun bis violett-braun")
Vicia dumetorum_reife Früchte_Samen_07-2022.jpg
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Vicia dumetorum_Samen_07-2022.jpg
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Viele Grüße von abeja
Spinnich
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Re: Vicia dumetorum (am Hochrhein)

Beitrag von Spinnich »

Kraichgauer hat geschrieben: Di Jul 19, 2022 9:51 am Alle Hülsenfrüchte, auch die als Nahrung genutzten, enthalten wechselnde Konzentrationen von Pyrrolizidin-Alkaloiden, die ja in hoher Konzentration ziemlichen Ärger machen können (vgl. die Diskussionen um Senecio/Jacobaea). Da aber Linsen, Erbsen, Bohnen und Verwandte nicht ohne größeren Schaden für die Menschheit verboten werden können, verschweigt man dieses Thema gerne.
Es gibt darüber hinaus einige [b]Hülsenfrüchte, die für den menschlichen Verzehr grundsätzlich ungeeignet sein sollen, warum auch immer - die Saubohne fällt mir hierzu ein[/b].

Im Fall von Vicia dumetorum könnte ich mir aber schlicht vorstellen, dass die frühen Siedler bereits mit vorselektierten, im Nahen Osten "optimierten" Hülsenfrüchten hier angekommen sind und die Notwendigkeit für die Kultivierung und Selektion heimischer Arten nicht mehr gegeben war, selbst wenn sie prinzipiell verzehrbar wären. Vielleicht ist die schattenliebende Art auch für Äcker nicht geeignet. Und dann hat eben keiner damit gearbeitet.

Gruß Michael
Wie kommt man denn auf die Idee?
siehe Gemüse des Jahres 1998/1999

Ich baue die seit einigen Jahren an und koche leckeren Eintopf aus den dicken Bohnen.
zu den 1% Menschen mit der Erbkrankheit G6PD-Mangel gehöre ich offensichtlich nicht.

Das Saatgut erhält man an gut sortierten Ständern mit Gemüsesaatgut.
Die Unterart Vicia faba L. subsp. faba enthält drei Varietäten:
Pferdebohne (Vicia faba subsp. faba var. equina Pers.): Als Viehfutter angebaut.
Dicke Bohne oder Puffbohne (Vicia faba subsp. faba var. faba Murat. : Eigentliche „Dicke Bohne“, zum menschlichen Verzehr angebaut.
Ackerbohne (Vicia faba subsp. faba var. minuta (hort. ex Alef.) Mansf. : Kleinsamige Varietät.

Im Mittelalter war sie, meist nur bone genannt, eines der wichtigsten Nahrungsmittel,...
Seit dem 17. Jahrhundert ging der Anbau in Europa zurück.
Die aus Amerika eingeführte Gartenbohne und die Feuerbohne wurden zur menschlichen Ernährung vorgezogen.
Die Dicke Bohne dient heute hauptsächlich als Viehfutter.
In Westfalen und im Rheinland werden Dicke Bohnen mit Speck heute noch gerne genossen.
Im Mittelmeerraum wird die Ackerbohne als Delikatesse genutzt, so zum Beispiel in Spanien geröstet als Habas Tostadas oder in dem italienischen Salat Vignarola.Im arabischen Raum werden unter anderem Falafeln und Ful aus Ackerbohnen zubereitet.

Da kann ich mit dem obigen Beispiel nicht viel anfangen.

LG Spinnich :?
Kraichgauer
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Re: Vicia dumetorum (am Hochrhein)

Beitrag von Kraichgauer »

Ach, wegen mir. Jeder ist frei, zu verzehren, was er will. Aber die Tatsache mit den Pyrrolizidin-Alkaloiden in Hülsenfrüchten stimmt nach wie vor.

Gruß Michael
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