Hier werden zwei Dinge verwechselt, die aber beide durchaus befriedigend und objektiv geklärt sind (siehe Zeisek et al.):
1. die Frage, welchen Rang das besagte Taxon einzunehmen hat. Da haben Zeisek et al. auf genetischer Basis begründet, dass die beiden Sippen (tomentosum und serotinum) noch nicht genügend getrennt sind, um als separate Arten zu gelten. Da aber die Verbreitungsgebiete getrennt und disjunkt sind (allopatrisch), kann hier der Rang der Subspezies in geradezu klassischer Weise angewendet werden (und nicht so, wie die Botanik das manchmal fraglicherweise bei Taxa tut, die sympatrisch sind.) Übrigens hatten Zeisek et al. noch angenommen, dass tomentosum autogam wäre, woraus man durchaus die Berechtigung einer eigenen Art ableiten könnte, wie ich es auch lange Zeit in WorldPlants gemacht habe. Nach J.-M. Tison ist es das aber nicht, sondern diploid-sexuell, genau wie die Nominatform.
[Natürlich kann man die genetisch basierten Phylogenien immer in Frage stellen. Langsam wird das aber aufgrund der verfeinerten Methoden ziemlich sinnlos, da noch viel herumzuzweifeln. Insbesondere dann, wenn es sich um Diploide und keine Apomikten handelt.]
2. die Frage, wie die Subspezies dann schließlich zu heißen hat. Und nur darauf (!) bezog sich meine Formulierung der "kryptischen Darmverschlingungen". Denn der Name pyrrhopappum ist zwar prioritär auf Spezies-Ebene, aber eben nicht auf infraspezifischer Ebene. Warum das so ist, da bräuchte ich nochmal eine ganze Seite Text. Das steht im Code. Das heißt, wenn man sie als volle Art führt, dann heißt sie Taraxacum pyrrhopappum, aber als Unterart heißt sie Taraxacum serotinum subsp. tomentosum, obwohl der Name pyrrhopappum älter ist als der Name tomentosum. Die Kombination Taraxacum serotinum subsp. pyrrhopappum (Boiss. & Reut.) Bolòs et al. ist deswegen invalide. [So einen ähnlichen Fall hatte ich kürzlich mal bei Festuca aquisgranensis in Deutschland, da wollte ich es auch nicht glauben, dass aquisgranensis gültig ist, obwohl viel jünger als die Synonyme, und die Code-Cracks haben mich eines Besseren belehrt.]
Und da (siehe 1.) der Rang der Subspezies anzuwenden ist, greift der Name Taraxacum serotinum subsp. tomentosum.
2a. Und jetzt noch zur von woody angemerkten Rechtschreibung: Im originalen Protolog (Boiss. & Reut. 1842, S. 19) steht "pyrrhopappum":
https://bibdigital.rjb.csic.es/medias/e ... _Diagn.pdf. Eine Zeitlang wurden solche Dinge emendiert, in diesem Fall auf "pyropappum", denn gemeint war griechisch "pyr" = Feuer vom rötlichen Pappus. Das ist der Stand von POWO. Aber neuerdings geht man wieder zurück (auch das ist Code!) auf so viele originale Schreibweisen wie möglich, also wieder "pyrrhopappum", so wie es derzeit in IPNI steht:
https://www.ipni.org/search?q=Taraxacum%20pyrrhopappum.
(Ein genau umgekehrter Fall, bei dem auch "pyr" involviert ist, ist das französisch-alpine Taraxacum pyropum Soest, das eine Weile "pyroporum" geschrieben wurde, sogar vom Autor selber.)
Also alles juristisch korrekt und faktisch-genetisch gut fundiert, ohne subjektive Einschätzung, wie oben postuliert, und ohne Alternative. Nur die Begründung, warum tomentosum auf Subspezies-Ebene Priorität hat ("gültig ist"), ist halt schwer zu verstehen und zu verdauen.
Gruß Michael
P.S. Bitte bewundert alle Ralf Hand, der steckt nämlich unendlich viel Energie in die Klärung solcher alten Nomenklatur-Fälle für seine Deutschland-Liste. Und er macht sich nicht immer beliebt damit!