Ultrabasische Gebiete auf Rhodos: Kampfzone der Mini-Vegetation

Hier könnt Ihr Funde von Exkursionen und Urlauben zeigen.
Kraichgauer
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Ultrabasische Gebiete auf Rhodos: Kampfzone der Mini-Vegetation

Beitrag von Kraichgauer »

Hallo zusammen,

auf allgemeinen Wunsch hier noch so ein "Grenzbiotop", nämlich so genannte "ultrabasische" Böden. Darüber haben wir uns im alten Forum ja schon öfters unterhalten.
Solche Serpentinit- oder ultrabasische Böden gibt es weltweit in jeweils kleinen, abgegrenzten Gebieten, sogar in Deutschland (z. B. Wojaleite bei Wurlitz nahe Hof). Je nach Metall- oder Oxidgehalt gibt es verschiedene Spezialisten. Den Extremfall stellt wohl Neukaledonien dar, wo der extreme Nickelgehalt dazu führt, dass manche Pflanzen sogar grünen Milchsaft haben. Über Neukaledonien kann ich später auch mal ein paar Bilder zeigen.

Hier aber ein spektakulärer vorderasiatisch-mediterraner Biotop: die ultrabasischen Böden im Zentrum von Rhodos. Das ist ein erstaunlich großes Gebiet von etlichen Quadratkilometern, das sich in einem Hügelgürtel am Fuß des Attaviros erstreckt. Im Norden der Insel gibt es noch ein kleineres Gebiet. Bereits von weitem (Bild 5) erkennt man dieses Gebiet an der dunklen Farbe und am völligen Fehlen landwirtschaftlicher Nutzung mit Ausnahme einiger Olivenhaine. Gleichzeitig ist das Gebiet nur äußerst schütter mit Vegetation bestanden, und im Kernbereich ist es sogar weitgehend vegetationsfrei mit Ausnahme von kleinen Polsterpflanzen. Dazu kommt noch starke Erosion in dem bröseligen Gestein durch die Winterregen.

In Europa gibt es kaum noch vergleichbar bizarre Vegetationsformen, man wähnt sich in einer Mondlandschaft (Bild 1). Nein, das ist kein Waldbrandgebiet und auch kein alter Steinbruch, das gehört so!
Die vereinzelten Polstersträucher sind Euphorbia acanthothamnos, Genista acanthoclada und Calicotome villosa.

Wie fast alle Gebiete mit ultrabasischen Böden ist auch dieses hier Heimat zahlreicher Spezialisten und sogar eines Endemiten. Mehrere Arten finden sich außerdem nur äußerst lokal auf dem gleich angrenzenden türkischen Festland, sind also subendemisch.
Praktisch alle Pflanzen sind winzig und polsterbildend, aber in den Rinnen gibt es auch kleine Bodenanreicherungen mit Winterannuellen.

Wer dieses spektakuläre Zwergenreich bewundern will, hat nur ein enges Zeitfenster im März und April, bevor ab Mai alles verdorrt. Die bei Nässe äußerst rutschig-seifigen Böden erfordern allerdings einen 4x4 und einiges Fahrgeschick, wenn es nass ist.
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Kraichgauer
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Re: Ultrabasische Gebiete auf Rhodos: Kampfzone der Mini-Vegetation

Beitrag von Kraichgauer »

An einigen Stellen formen sich im Winter und Vorfrühling kleine Rinnsale durch das schwarz-bröselige Gestein. Dort werden die Winterannuellen besonders artenreich.
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Kraichgauer
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Re: Ultrabasische Gebiete auf Rhodos: Kampfzone der Mini-Vegetation

Beitrag von Kraichgauer »

Bolanthus confertifolius (früher Gypsophila confertifolia) ist so ein Fast-Endemit, der außerdem nur in der angrenzenden Türkei vorkommt. Man muss schon auf die Knie, um die prächtigen, aber winzigen Polster zu bewundern. Die Art ist sehr schwer zu finden. Witzigerweise ist ihr bestes Vorkommen direkt an einem Rand einer Dirt Road. Die Störungen scheinen ihr zu helfen.
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Kraichgauer
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Re: Ultrabasische Gebiete auf Rhodos: Kampfzone der Mini-Vegetation

Beitrag von Kraichgauer »

Dianthus crinitus ist sehr ähnlich zu D. monspessulanus und anderen Steppenarten mit gefransten Blüten. Die vergleichsweise große Art leuchtet schon von weitem aus den Geröllhängen.
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Dianthus crinitus MoniArtamiti 0416-5.jpg
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Re: Ultrabasische Gebiete auf Rhodos: Kampfzone der Mini-Vegetation

Beitrag von Kraichgauer »

Cerastium dominici ist noch so ein Fast-Endemit und erinnert stark an Cerastium dubium. Es ist ebenfalls stark drüsig und blüht leuchtend weiß.
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Cerastium dominici Rhodos Ultrabas NW Laerma R3205-3.jpg
Cerastium dominici Rhodos Ultrabas NW Laerma R3205-3.jpg (252.22 KiB) 403 mal betrachtet
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Re: Ultrabasische Gebiete auf Rhodos: Kampfzone der Mini-Vegetation

Beitrag von Kraichgauer »

Silene salamandra, ebenfalls ein Fast-Endemit, hat die knalligsten Farben aller Silenes, die ich kenne. Der Kontrast zu dem braungrauen Substrat verstärkt noch die Wirkung.
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Silene salamandra MoniArtamiti 0378-2.jpg
Silene salamandra MoniArtamiti 0378-2.jpg (359.93 KiB) 403 mal betrachtet
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Re: Ultrabasische Gebiete auf Rhodos: Kampfzone der Mini-Vegetation

Beitrag von Kraichgauer »

Als ich das erste Mal im Gebiet war, photographierte ich die verholzende Silene tunicoides, ohne überhaupt zu wissen, was ich da vor mir hatte. Später stellte sich heraus, dass ich der Erste war, der die Art nach langen Jahren wieder einmal gesehen hatte. 2013 konnte sie dann nach langer Suche nochmal gefunden werden - an "meiner" Stelle war sie aber leider weg.
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Silene tunicoides MoniArtamiti 0412-1.jpg
Silene tunicoides MoniArtamiti 0412-1.jpg (311.64 KiB) 403 mal betrachtet
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Re: Ultrabasische Gebiete auf Rhodos: Kampfzone der Mini-Vegetation

Beitrag von Kraichgauer »

Sogar ein echter Endemit ist mittlerweile im ersten Band der "Flora von Rhodos" beschrieben worden: Bufonia ophiolitica (Photo: Stefan Rätzel). Es ist allerdings möglich, dass man diese überaus unauffällige Art noch in der angrenzenden Türkei findet.
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Bufonia ophiolitica Kapasa NNW Laerma_12.10.2014_XXII Stefan Rätzel.JPG
Bufonia ophiolitica Kapasa NNW Laerma_12.10.2014_XXII Stefan Rätzel.JPG (335.1 KiB) 401 mal betrachtet
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Re: Ultrabasische Gebiete auf Rhodos: Kampfzone der Mini-Vegetation

Beitrag von Kraichgauer »

Auffällig, bunt und charakteristisch ist dagegen die polsterbildende, verholzende Anthemis rhodensis. Von der wurde (ebenfalls im ersten Band der Flora von Rhodos) eine weitere Unterart im Norden von Rhodos beschrieben.
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Anthemis rhodensis ssp rhodensis LaermaSW 0127-1.jpg
Anthemis rhodensis ssp rhodensis LaermaSW 0127-1.jpg (645.57 KiB) 400 mal betrachtet
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Re: Ultrabasische Gebiete auf Rhodos: Kampfzone der Mini-Vegetation

Beitrag von Kraichgauer »

Bei Bupleurum trichopodum gehört echtes Glück dazu, diese überaus zierliche Art (noch schlanker als B. tenuissimum!) überhaupt zu entdecken, geschweige denn sinnvoll zu photographieren.
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Bupleurum trichopodum Rhodos Ultrabas 2 km SW Laerma R3557-1.jpg
Bupleurum trichopodum Rhodos Ultrabas 2 km SW Laerma R3557-1.jpg (165.97 KiB) 400 mal betrachtet
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