Pflanze vom Kilimanjaro mitgenommen - worum handelt es sich?

Bestimmungsanfragen für Wildpflanzen außerhalb Europas.
SimonD
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Pflanze vom Kilimanjaro mitgenommen - worum handelt es sich?

Beitrag von SimonD »

Guten Abend liebe Pflanzenfreunde,

ich bin mehr oder weniger neu im Thema Pflanzen und finde immer mehr Gefallen daran, mein Zimmer mit "grünen Mitbewohnern" auszustatten :D

Bevor ich auf meine Pflanze eingehe, sind hier noch ein paar Worte zum Hintergrund derselbigen:

Ich war vor knapp einem halben Jahr mit meinen beiden Brüdern auf dem Kilimanjaro. Da mich die Natur dort sehr beeindruckt hat, habe ich eine kleine Pflanze mitgenommen, die sich in einer Höhe zwischen 2.800-4.000m befand, um diese als Zimmerpflanze zu halten. Gemäß Wikipedia handelt es sich bei dieser Höhenlage um die sogenannte "Heather / Moorland Zone", die sich durch offene Heideflächen, charakteristische Pflanzen wie Riesenlobelien und Heidekraut sowie durch eine markante, von Nebel und kühlen Temperaturen geprägte Landschaft auszeichnet.

Nach meiner Ankunft in Deutschland habe ich sie dann umgehend in eine Vase mit Wasser gestellt, damit sie neue Wurzeln bilden konnte. Leider haben sich jedoch keine weiteren Wurzeln gebildet. Zu meinem Erstaunen ist die Pflanze aber auch nicht eingegangen bzw. sieht seither unverändert aus, d. h. weder besser noch schlechter.

Um die Pflanze zu retten und bestenfalls sogar zum "Gedeihen" zu bringen, habe ich mich auf Google erkundigt, ChatGPT befragt und Google Lens verwendet, um herauszufinden, um welche Pflanze es sich überhaupt handelt - leider erfolglos. Die Ergebnisse, die ich erhalten habe, entsprachen optisch nicht wirklich meiner Pflanze.

ChatGPT hat mir aber den klugen Ratschlag gegeben, mich an ein fachkundiges Forum zu wenden und ich denke, dass ich hier richtig bin.

Lange Rede, kurzer Sinn: Könnt ihr anhand der Bilder feststellen, um welche Pflanze es sich handelt? Falls noch mehr Bilder aus anderen Blickwinkeln oder bestimmte Detailaufnahmen benötigt werden, reiche ich diese gerne nach.

Ich hänge tatsächlich sehr an dieser Pflanze und würde mich daher riesig freuen, wenn eine fachkundige Person feststellen kann, worum es sich bei dieser handelt und am besten ein paar Tipps geben kann, wie ich sie pflegen sollte, damit sie nicht zugrunde geht.

Ich bedanke mich vielmals für eure Rückmeldung und wünsche euch noch einen schönen Abend!

VG

Simon
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Alex
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Re: Pflanze vom Kilimanjaro mitgenommen - worum handelt es sich?

Beitrag von Alex »

Ob das so eine gute Idee ist - irgendwas auszubuddeln und mitzunehmen und dann zu erwarten, dass man es unter vollkommen anderen Bedingungen am Leben erhalten kann, obendrein ohne zu wissen was es überhaupt ist??? :roll:
Manfrid
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Re: Pflanze vom Kilimanjaro mitgenommen - worum handelt es sich?

Beitrag von Manfrid »

Hallo, vermutlich eine Erica, aber die ist schon vertrocknet. Pflanzen mit in Erde gewachsenen Wurzeln gehen meist ein, wenn man sie ins Wasser stellt. Da hat man mit abgeschnittenen Zweigen, die neue Wurzeln im Wasser treiben, mehr Chancen. Aber die afrikanischen Hochgebirgsarten sind ohnehin meist schwer zu kultivieren. - Erfahrungen sind auch was wert, und als Andenken hält sich der Zweig lange...
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plantsman
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Re: Pflanze vom Kilimanjaro mitgenommen - worum handelt es sich?

Beitrag von plantsman »

Moin Simon,

in dieser Höhenlage gibt es einige ericoide, also nadelblättrige, Kleinsträucher. Ohne Blüten ist es leider unmöglich diese Pflanze zu bestimmen, die Idee von Manfrid mit der Erica-Art finde ich aber recht gut.

Pflanzen aus dieser Höhenlage tropischer Hochgebirge sind ohne großen technischen Aufwand nicht haltbar. Die Tages-Durchschnittstemperaturen liegen am Standort bei knapp 5 - 10° C. Man müsste die Pflanzen jede (!) Nacht bis auf den Gefrierpunkt, oder tiefer, runterkühlen und jeden Tag wieder auf ca. 25° C aufwärmen. Hier herrscht das sogenannte Tageszeitenklima, jede Nacht Winter, jeden Tag Sommer.
Im Botanischen Garten Magdeburg hatten wir mal Lobelia telekii vom Mount Kenya aus 3300 m. Die Samen sind, im März gesät, wunderbar gekeimt und die Jungpflanzen gut gewachsen. Wir haben sie nachts so kühl wie möglich gehalten, als jedoch die Nachttemperaturen für wenige Wochen im Juni die Tages-Durchschnittstemperatur des Standorts überschritten, es waren 13 - 16° C, wurden sie gelb und sind alle abgestorben.

Leider denke ich auch, das die Pflanze schon zugrunde gegangen ist. Es gibt so einige, die tot immer noch lebendig aussehen.... und aus den oben genannten Gründen hätte sie wohl auch nicht lange überlebt. Die Pflanzen von dort sind als Zimmerpflanzen leider ungeeignet.
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abeja
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Re: Pflanze vom Kilimanjaro mitgenommen - worum handelt es sich?

Beitrag von abeja »

Hallo,
ich hatte versucht, herauszufinden, was es da überhaupt gibt ... so eine Art "species list".
Man stößt aber hauptsächlich auf Werbung von Exkursionsunternehmen, die ein bisschen über die Natur erzählen.

Es sollen aber mehrere Erica-Arten vorkommen - so weit war ich auch gekommen - darunter Erica arborea ... und auch, dass ohne Blüten natürlich gar nichts geht und dass es vermutlich vieles gibt, was ähnlich aussehen könnte.
Die Vielfalt an Lebensräumen/ Gegenden mit unterschiedlichem Klima, wo Erica arborea vorkommt, verwundert mich nun:
mediterran, Nordafrika und afrik. Hochgebirge (für Kilimandscharo angegeben, Höhenlage 3100-3700 m) - zudem bei uns als Kübelpflanze draußen möglich (frostfrei).
https://www.treesandshrubsonline.org/ar ... a-arborea/

Als weitere Erica-Arten, die es dort gibt, habe ich Erica excelsa (vielleicht unterhalb von E. arborea?) und Erica trimera gefunden, wobei letztere zusammen mit Erica arborea wachsen soll.

Der Name Erica excelsa (und E. arborea auch) kommt in dem unter verlinkten sehr ausführlichen und schönen PDF von 1998 vor, aktueller Name ist jedoch Erica ventricosa. Diese Art soll lt. Wiki (hauptsächlich? nicht gründlich gesucht ...) in Südafrika heimisch sein, man findet aber auch in aktuellen Texten Bezüge zum Mt. Kilimandscharo (Kilimanjaro)
Und diese Art ist bei uns unter dem Namen "Wachsheide" im Handel, ist also betr. Klima gar nicht kritisch?

https://www.zobodat.at/pdf/Natur-und-Me ... 5-0028.pdf
"Der Kilimanjaro - Lebensräume zwischen tropischer Hitze und Gletschereis - Geoökologische und ethnologische Forschungen im Chagga-Land"
Andreas Hemp, Claudia Hemp und J. Christoph Winter (Uni Bayreuth)

"Kleine Pflanze" (s.o.) kann ja auch eine "junge" Pflanze gewesen sein. Typisch für die nördlichen Hänge (obwohl wir ja nicht wissen, von welcher Seite die Pflanze stammt), sind Brandereignisse (weniger Regen), danach ist alles "kurz und klein" - und treibt dann wieder aus.
Viele Grüße von abeja
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plantsman
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Re: Pflanze vom Kilimanjaro mitgenommen - worum handelt es sich?

Beitrag von plantsman »

Moin,

das hat mich auch nochmal animiert, nachzuforschen. Die Herkunftsdaten bei data.gbif ergeben für den Kilimanjaro in Höhenlagen über 2800 m vier Heidearten: Erica arborea, E. trimera, E. mannii und E. silvatica.

Die Synonymisierung der rein capensischen Erica ventricosa mit Erica excelsa liegt daran, das es mindestens zwei Erica excelsa gibt. Einmal Erica excelsa Tausch und dann Erica excelsa (Alm & T.C.E.Fr.) Beentje.
Der erste Name von Tausch ist tatsächlich ein Synonym von Erica ventricosa. Die andere hat als Basionym Philippia excelsa. In dieser Gattung wurden mal ein großer Teil der windbestäubten Eriken zusammengefasst. Als man Philippia in Erica eingegliedert hat, wurde sie zuerst Erica excelsa genannt. Dann hat man aber festgestellt, das es schon einen älteren Namen für dieses Taxon gibt, nämlich Ericinella mannii und somit wurde der Name illegitim und die tropische Erica excelsa, die vom Kilimanjaro, heisst nun offiziell Erica mannii.
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abeja
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Re: Pflanze vom Kilimanjaro mitgenommen - worum handelt es sich?

Beitrag von abeja »

Aha! Danke!
(In dem verlinkten PDF sind seltsamerweise nirgendwo bei den Pflanzennamen die Autorennamen mit dabei, das kann ja dann schön in die Irre führen...)
Viele Grüße von abeja
SimonD
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Re: Pflanze vom Kilimanjaro mitgenommen - worum handelt es sich?

Beitrag von SimonD »

Guten Abend (oder um diese Uhrzeit "Gute Nacht"?),

zunächst einmal vielen Dank für eure Antworten und Expertise, Manfrid, plantsman und abeja! ;)

Die Antworten waren allesamt sehr aufschlussreich und interessant und vor allen Dingen lehrreich für einen Neuling wie mich...

Daraus lerne ich, dass ich mich das nächste Mal erstmal vorab informieren werde, ob:
- es ohne Weiteres möglich ist, eine für hiesige Verhältnisse fremde Pflanzenart in den eigenen vier Wänden zu kultivieren und
- es für das Okosystem schädlich ist, wenn ich eine Pflanze entnehme (über diesen Aspekt habe ich damals leider gar nicht nachgedacht, obwohl er definitiv die größte Rolle bei einem solchen Vorhaben spielen sollte).

Noch eine kurze Bezugnahme zur Anmerkung von abeja:
abeja hat geschrieben: Fr Jun 07, 2024 10:56 pm Und diese Art ist bei uns unter dem Namen "Wachsheide" im Handel, ist also betr. Klima gar nicht kritisch?
Wenn dem tatsächlich so sein sollte, werde ich sie, solange sie noch "optisch am Leben ist", im Topf lassen und ihr ab und an Wasser geben. Schaden kann es nicht und wer weiß - vielleicht geschieht ja doch noch ein Wunder ;) Jedenfalls würde ich dann ein Update hier reinstellen.

Tatsächlich habe ich neben der Erica noch eine zweite Pflanze - oder vielmehr einen Trieb - von der Wanderung mitgenommen (siehe Anhang). Diesen hat der Bergführer von einem befreundeten Bauern erhalten und ihn mir nach der Wanderung auf den Weg mitgegeben. Er stammt also aus der sog. "Civilization Zone" (0 - 1.800m über NN), in der die Einheimischen vorwiegend Landwirtschaft betreiben (vermutlich hat diese Pflanze auch einen landwirtschaftlichen Hintergrund?) und wird aus einer Höhe zwischen 1.000m und 1.800m stammen, wenn ich mich recht entsinne.

Nach meiner Ankunft in Deutschland habe ich den Trieb ebenfalls ins Wasser gestellt, wo er dann nach kurzer Zeit bereits kräftige, lange Wurzeln gebildet hat. Den Bildern nach macht er einen etwas "ramponierten" Eindruck (abgeschnittene Blätter), was wohl am Umgang des Bauern mit der Pflanze liegt. Die hellen Flecken hatten die Blätter ebenfalls bereits seit Anbeginn, sodass ich hier keine längerfristige Gefahr für die Pflanze sehe.

Die Identifizerung der Erica hat mich nun doch neugierig gemacht, worum es sich bei der zweiten Pflanze handeln könnte?

Ich freue mich sehr über eure Einschätzungen und wünsche euch noch ein schönes Wochenende!

VG

Simon

PS: Mein erstes "Dattelpalmen-Experiment" habe ich ebenfalls bereits gestartet. Aus einem anderen Urlaub im Oman habe ich einen Dattelkern der Phoenix dactylifera mitgenommen, den ich aktuell noch zum Keimen bringe, wenngleich sich das trotz genauem Befolgen der Online-Anleitungen als recht schwierig erweist. Mal schauen, was daraus wird...
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Anagallis
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Re: Pflanze vom Kilimanjaro mitgenommen - worum handelt es sich?

Beitrag von Anagallis »

SimonD hat geschrieben: So Jun 09, 2024 1:14 am Daraus lerne ich, dass ich mich das nächste Mal erstmal vorab informieren werde, ob:
- es ohne Weiteres möglich ist, eine für hiesige Verhältnisse fremde Pflanzenart in den eigenen vier Wänden zu kultivieren und
- es für das Okosystem schädlich ist, wenn ich eine Pflanze entnehme (über diesen Aspekt habe ich damals leider gar nicht nachgedacht, obwohl er definitiv die größte Rolle bei einem solchen Vorhaben spielen sollte).
Die Daumenregel beim Botanisieren ist, niemals mehr als ein Zwanzigstel des Bestandes zu entnehmen.

In fremden Ländern sollte man sich auch informieren, inwieweit Entnahme und Ausfuhr legal sind. Das kann möglicherweise sonst richtig Ärger geben.
Dominik
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abeja
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Re: Pflanze vom Kilimanjaro mitgenommen - worum handelt es sich?

Beitrag von abeja »

Hallo Simon,
die "Erica" war nicht sicher als Erica bestimmt, und selbst wenn die Gattung stimmt, was nicht unwahrscheinlich ist, dann ist es NICHT Erica ventricosa, Wachsheide. Das war ja die Begriffsverwirrung, die Plantsman aufgeklärt hat.
Wenn, dann ist es eine der von ihm genannten 4 Arten. Trotzdem kannst du natürlich versuchen, die Pflanze noch ein wenig zu päppeln.

Die neue Pflanze sieht einer Dracaena ähnlich. In der Region gibt es z. B. Dracaena afromontana.
http://www.eastafricanplants.senckenber ... 47&id=3559

Das ist aber auch keine "Bestimmung", da mag es viel geben, was von Blatt und Stängel ähnlich aussieht.
Viele Grüße von abeja
Antworten