Pycnanthemum tenuifolium

Bestimmungsanfragen kultivierter Arten.
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Maltus
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Pycnanthemum tenuifolium

Beitrag von Maltus »

Hallo,
heute standen beim Kartieren zwei knospende Exemplare einer Art am Rand eines Feldwegs, die ich mit Sicherheit noch nie gesehen hatte und auf die ich keinen Zugriff bekommen habe. Sowohl Trag- wie Stängelblätter sehr schlank und spitz zulaufend, Blütenfarbe könnte weiß bzw. grünlich-weiß sein. Höhe der Pflanzen ca. 40 cm. Bei Schmiechen, südlicher Lkr. Aichach-Friedberg, MTB 7731-44. In der näheren Umgebung etliche verwilderte Gartenpflanzen vermutlich aus abgelegten Gartenabfällen, daher meine Mutmaßung, dass diese Pflanzen aus der gleichen Quelle stammen. Google Lens sagt: Pycnanthemum tenuifolium, deutscher Name auf div. Gärtnerei-Webseiten Langblättrige Bergminze, Heimat offenbar Nordamerika. Den Bildern im Netz nach könnte das schon hinkommen. Aber ich habe keine Ahnung, ob es möglicherweise Verwechslungsarten gibt. Wenn jemand mehr über die abgebildeten Pflanzen weiß, würde ich mich über Hinweise freuen.
Freundliche Grüße
Georg
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Anagallis
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Re: Pycnanthemum tenuifolium

Beitrag von Anagallis »

Bessere Informationen habe ich auch nicht, aber für Neufunde im Gebiet ist sowieso ein blühender, möglichst vollständiger Beleg nötig. Offenbar werden noch mindestens zwei weitere Arten mit schmalen Blättern vertickt. (Wobei wie immer unklar ist, ob die Names stimmen.)

(Die Gattung schreibt sich mit 'cn', hab's mal korrigiert.)
Dominik
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Anagallis
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Re: Pycnanthemum tenuifolium

Beitrag von Anagallis »

Hier ist ein Schlüssel für Vertreterinnen der Gattung in Neuengland:

https://gobotany.nativeplanttrust.org/d ... nanthemum/
https://gobotany.nativeplanttrust.org/g ... nanthemum/

Sind die Stengelkanten behaart so wie hier?

https://gobotany.nativeplanttrust.org/s ... rginianum/
Dominik
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abeja
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Re: Pycnanthemum tenuifolium

Beitrag von abeja »

Hallo,
ich hatte gerade eine dt. Baumschule gefunden, die P. muticum, pilosum, tenuifolium und flexuosum verkauft. Zumindest die beiden letzteren sehen sehr ähnlich aus (auf dt. Händlerseiten)

Als Schlüssel hatte ich den hier gefunden (die Arten sind da auch anklickbar, bebildert). Mit dem Schlüssel selbst komme ich nicht gut klar ... hier eine Ausnahme, dort eine Ausnahme - Blattbreiten bei den schmalblättrigen Arten doch recht variabel.
https://fsus.ncbg.unc.edu/main.php?pg=s ... eyid=40489

[Moderation: Link durch Permalink ersetzt.]
Viele Grüße von abeja
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Anagallis
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Re: Pycnanthemum tenuifolium

Beitrag von Anagallis »

Bischen dünn der Schlüssel, aber vielleicht für eine erste Orientierung gut. P. virginianum scheint auch im Handel zu sein. Pycnanthemum flexuosum (Walter) Britton.Stern & Poggenb. ist zwar eine eigene Art, aber Pycnanthemum flexuosum auct. non (Walt) B.S.P. ist ein Synonym für Pycnanthemum tenuifolium Schrad.. Man weiß also nicht, ob die im Handel als flexuosum verkaufte Sippe die eigene Art oder das Synonym sein soll.

Michael hat auf Worldplants Fotos von P. tenuifolium/virginianum.
Dominik
Maltus
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Re: Pycnanthemum tenuifolium

Beitrag von Maltus »

Hallo,
herzlichen Dank für die vielen hilfreichen Hinweise!
Pycnanthemum virginianum scheint's nicht zu sein, Stengelkanten nicht abstehend behaart. Bei erster Durchsicht überzeugt mich tatsächlich P. tenuifolium am meisten, bei allen anderen scheint die Blattform nicht zu passen. Aber schon klar: möglichst ein blühendes Expl. als Beleg sichern. Ich hoffe, ich schaffe es bis zur Blütezeit nochmal hin, denn ab morgen bin ich erst einmal wieder in Oberfranken.
Freundliche Grüße
Georg
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Anagallis
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Re: Pycnanthemum tenuifolium

Beitrag von Anagallis »

Gut, kein virginianum. Dann muß man noch rausfinden, was hinter diesem "flexuosum" steckt. Beziehungsweise, mit dem Schlüssel müßte man es erkennen können.
Dominik
Kraichgauer
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Re: Pycnanthemum tenuifolium

Beitrag von Kraichgauer »

Mit den schmalen Blättern kommen fast nur P. tenuifolium, P. flexuosum, P. torreyi und P. virginianum in Frage. P. virginianum wäre starr kurz borstenzähnig (das würde man auf den Bildern sehen) und daher graugrün, die seltene P. torreyi hat am Blattrand kurze stufige Zähne. P. flexuosum hat eher schmal-lanzettliche und keine so linealische Blätter.

Anbei Vergleichsbilder, leider habe ich keine von P. torreyi. Das spricht alles für P. tenuifolium, die außerdem auch noch eine häufige Art ist.

Gruß Michael
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Maltus
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Re: Pycnanthemum tenuifolium

Beitrag von Maltus »

Herzlichen Dank für die Bilder, Michael!
Ich habe eine kleinlaute Korrektur anzubringen: Denn gesehen habe ich die Art offenbar schon häufig - aber leider nicht wahrgenommen. Am Stadtgraben in Lichtenfels gibt es eine vor zwei, drei Jahren angelegte Blühfläche mit etlichen dekorativen exotischen Arten auf sandig-kiesigem Substrat. Und als ich heute da vorbeigegangen bin, war mir, mit dem frischen Eindruck der Pflanzen von gestern, klar: Das muss sie sein. Hier die Fotos dazu. Google Lens sagt wieder Pycnanthemum tenuifolium. Nur bei P. torreyi würde das Längen-Breiten-Verhältnis bei den Blättern hinkommen, aber bei den Fotos, die ich von der Art im Netz gesehen habe, waren die Blattränder auffällig seitlich nach oben umgebogen
Freundliche Grüße
Georg
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Re: Pycnanthemum tenuifolium

Beitrag von Kraichgauer »

Das mit den "Bildern im Netz" bei seltenen Arten würde ich immer mit gehöriger Skepsis sehen. Die einzige Abbildung von P. torreyi, der ich traue, ist die Skizze im Referenz-Abbildungsband zu Gleason & Cronquist von Holmgren (1998), der "Bibel" für Nordost-Amerika. Und da sind die Blätter von P. torreyi deutlich breiter als bei P. tenuifolium, mehr oder weniger schmal-lanzettlich (nicht fast linealisch), mit den besagten kurzen Stufen in den Blatträndern. Ich darf es leider hier nicht reproduzieren.
Das mit den "umgebogenen Blatträndern" ist kein gescheites Merkmal, das machen diese Arten bei Trockenheit alle.
Und außerdem: die Wahrscheinlichkeit, dass eine seltene Art gärtnerisch vermehrt wird, ist eher gering.

Ja klar, Deine neuen Photos sind definitiv P. tenuifolium, vergleiche mit meinen Wildstandort-Photos oben.

Gruß Michael
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