An Rhein und Erft

Hier könnt Ihr Funde von Exkursionen und Urlauben zeigen.
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Anagallis
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An Rhein und Erft

Beitrag von Anagallis »

Dieses Jahr stehen ja Wasserpflanzen auf meinem Programm. Der Bodensee und die Umgebung wurden im Frühjahr und Sommer ausgiebig erkundet und auch Baggerseen in der Oberrheinebene. Ein Heimatbesuch im Ruhrgebiet am letzten Wochenende wurde zu einer ausgiebigen Erkundung des Mittel- und Niederrheins von Koblenz bis Düsseldorf, der Erft von Bedburg bis Neuss und als Beifang der Drover Heider und der Wahner Heide genutzt.

Die erste Fläche lieg an der linken Seite des Rheins bei Rhens am Sprudelwerk, wo die Kollegen neulich eine kleine Kolonie Dysphania schraderiana im Kies fanden.

Der Fluß ist dieses Jahr mindestens fünfzig Meter schmaler. Auf den freiliegenden Kiesflächen keimen die Einjährigen wie verrückt. Durch den Morgennebel - es war gegen acht Uhr früh - sind die Landschaftsaufnahmen recht verwaschen.

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Die Zielart war zwar schon verblüht und streute ihre Samen aus, aber es gab ein paar Nachzügler:

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Dominik
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Anagallis
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Re: An Rhein und Erft

Beitrag von Anagallis »

Die Mitglieder Chenopodiaceae-Sippschaft dort sehen praktisch alle gleich aus. Eine zweite Dysphania, nämlich D. ambrosioides var. ambrosioides unterscheidet sich von D. schraderiana durch die sitzenden Blütenknäuel und den anderen Blattschnitt. Es gibt noch die zweite Varietät var. integrifolia mit ganzrandigen Blättern. In BW wurde diese zuletzt 2018 bei Offenburg gefunden. Man soll die Pflanzen der Gattung am Gerunch unterscheiden können. Für mich stinken die allesamt - ebenso wie Dittricha graveolens - nach vergorener Hundekotze mit Terpentin (oder so ähnlich).

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Oxybasis rubra konnte man oben schon im feuchten Ufersand sehen hier nochmal von nahem:

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Und im Vergleich Oxybasis glauca, die einen anderern Blattschnitt aufweist und unterseits schülfrige Blätter.

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Lipandra polysperma findet man überall an den Flüssen.

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Alle genannten Gattungen gehörten früher zu Chenopodium.
Dominik
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Anagallis
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Re: An Rhein und Erft

Beitrag von Anagallis »

Für uns Oberrheinebenenanwohner ist Mercurialis annua ein alltäglicher Anblick - man kann hier keine hundert Schritte machen, ohne darüber zu stolpern. In anderen Teilen des Landes ist sie selten. Wir beömmeln uns auf den langen Fahrten zu Exkursionszielen regelmäßig mit der Vorstellung, wie auswärtige Besucher in der Karlsruher Gegend in Verzückung geraten, wenn sie dieses Unkraut sehen. Jedenfalls findet man sie in der Höhe von Koblenz nicht mehr so oft:

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Auch etwas seltener ist Persicaria lapathifolia ssp. brittingeri mit den rundlichen Blättern:

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Symphyotrichum ist am Rhein sehr häufig, meist in Gestalt undefinierbarer Hybriden, die Symphyotrichum x salignum genannt werden.

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Eine mächtige Weide mit einem Stammdurchmesser von etwa zwei Metern.

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Ein abschließender Blick auf auf einige Tierpanzer zwischen Oxybasis rubra im Sand.

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Dominik
JarJar
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Re: An Rhein und Erft

Beitrag von JarJar »

Hallo Dominik,

klasse Beobachtungen und spannender Exkursionsbericht. Die meisten der Arten sucht man am Hochrhein vermutlich vergeblich. Durch die vielen Stauwehre gibt es kaum mehr frei fließende Bereiche mit Kiesbänken.
Deine Schalen auf dem letzten Bild zeigen Körbchenmuscheln und vermutlich eine Wollhandkrabbe. Beides Neozoon.

Lieben Gruß und Danke für´s Zeigen!
Christoph
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Anagallis
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Re: An Rhein und Erft

Beitrag von Anagallis »

Weiter oben ist der Rhein auch einfach nicht so breit und hat keine solchen ausladenden flachen Bereiche neben der Fahrrinne. Hinzu kommt natürlich das extreme Niedrigwasser.

--

Nächste Station - immer noch am zeitigen Morgen - war das gegenüberliegende Ufer bei Lahnstein, an der Halbinsel nördlich des Parkplatzes.

Zu Fuß und geschwommen wären das gerade einmal eineinhalb Kilometer. Mit dem Wagen sind es zwanzig Minuten.

Dort an der gemauerten Rheinböschung war der erste Zufallsfund Xanthium orientale var. saccharatum, eine der beiden Sippen, die am Rhein vorkommen. var. albinum soll es so weit unten nicht geben, aber durchaus am Oberrhein:
http://www.botanik-bochum.de/html/publ/ ... nthium.pdf
Die Art begegnete mir am Freitag und auf dem Rückweg am Sonntag an zahlreichen Stellen.

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Dominik
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Anagallis
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Re: An Rhein und Erft

Beitrag von Anagallis »

Eigentlich ging es dort aber um eine ausgebüchste Zierpflanze, die dort am landseitigen Damm an den schattigen Mauerfüßen mehr oder weniger etabliert ist: Campanula alliariifolia. Die Pflanzen waren fast verdurstet und zum großen Teil auch schon abgemäht, so daß es nicht mehr als diese geköpfte Halbleiche zu zeigen gibt. Man erahnt mit Mühe die namensgebenden Blätter, die der Knoblauchsrauke ähnlich sind. Die Art ist dort schon serit den 1990-ern bekannt.
https://www.floraweb.de/webkarten/karte.html?taxnr=1026

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Siehe auch hier:
https://www.flora-germanica.de/flora-vo ... iariifolia


Zwischen weiteren Dysphania ambrosioides var. ambrosioides und Bidens frondosa ließ sich Cuscuta lupuliformis von Brombeeren ernähren (Rubus caesius):

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Dominik
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abeja
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Re: An Rhein und Erft

Beitrag von abeja »

Hallo Dominik,
schwierige Pflanzen (!) ... für mich, die ganzen Chenopodium-s.l.-Arten . Normalerweise schaue ich auch nicht so danach. In voller Sonne über Gestein und Kies oder auf dem "Acker" ist auch nicht so mein Ding. Deshalb klasse, sie so gezeigt zu bekommen.
Besonders gut gefällt mir aber das Nebelbild! 8-)

@JarJar, hallo Christoph:
tendenziell könnte es hier am Hochrhein so etwas Ähnliches geben, und zwar in dem Renaturierungsgebiet südwestlich vom neuen Wasserkraftwerk Rheinfelden Baden, schau dir da mal das Satellitenbild an.
Ich war allerdings schon länger nicht da, es gibt dort diese Kalksinterterassen und dann hat man viel Kies neu (also damals nach 2010) aufgeschüttet. Ich bin aber nicht sicher, ob diese Bereiche immer frei liegen oder nur manchmal. Jedenfalls sind es keine Bereiche, die nur selten frei liegen. Der Wasserstand wird ja mehr oder weniger reguliert. 2015 war schon einiges an Bewuchs darauf. Ich bin auch nicht sicher, wie und was alles zugänglich ist, damals habe ich nur vom Rand aus geschaut.
Viele Grüße von abeja
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Anagallis
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Re: An Rhein und Erft

Beitrag von Anagallis »

Aufgrund der bereits deutlich kürzer werdenden Tage mußten zwei Fundpunkte bei Kelsterbach (dazu später mehr) und Mainz (Ceratophyllum submersum) ausgelassen werden: Die Kollegen wiesen darauf hin, daß in der Drover Heide bei Düren zur Zeit zwei Raritäten blühen.
https://www.openstreetmap.org/?mlat=50.7293&mlon=6.5344


Vom Parkplatz im Nordosten kommend begrüßen Centaurea timbalii die Besucherin in großer Anzahl. Dies ist eine der Sippen im C. jacea agg., die immerhin einen eigenen Namen bekommen haben. Die Pflanze ist sehr dreidimensional und hat schmale, grüne, kaum filzige Blattzipfel.

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Am Rande des Weges blüht jetzt auch Odontites vulgaris:

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Im Zielgebiet - wechselfeuchten Senken in einer Panzerschneise des ehemaligen Truppenübungsplatzes - war alles ausgetrocknet. Nur in einer der Senken war es noch etwas feucht, und man konnte Pilularia globulifera im fruchtenden Zustand sehen. Die kugelförmigen Sporenkapseln geben dem Echten Pillenfarn seinen Namen:

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An der beschriebenen Stelle war bei knapp einstündiger Suche nur ein vertrochneter Fadenenzian mit einer einzelnen Fruchtkapsel aufzustöbern. Es war dort einfach zu trocken. Davon läßt sich die Botanikerin aber nicht so leicht entmutigen. Nach einem Schlenker zum Nordwesten des Gebiets, wo am Parkplatz ein Massenbestand Pteridium aquilinum ssp. pinetorum wächst, gelang dann auf dem Rückweg der Fund von etwa fünf fast blühenden Cicendia filiformis in einem Granateneinschlagskrater an einer der Panzerspuren. Das Ding ist etwa so groß wie ein Streichholz und der Stengel hat den Durchmesser dickeren Nähgarns.

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Insgesamt hat der Umweg etwa viereinhalb Stunden gekostet. Zwischen den Bildern des Pillenfarns und des Fadenenzians lagen 83 Minuten Suche. Seit der Abfahrt von zu Hause um 5:25 waren da bereits acht Stunden vergangen.
Dominik
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Anagallis
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Re: An Rhein und Erft

Beitrag von Anagallis »

abeja hat geschrieben: Di Aug 30, 2022 8:23 pm In voller Sonne über Gestein und Kies oder auf dem "Acker" ist auch nicht so mein Ding.
Da wirkt ein breitkrempiger Damenstrohhut Wunder. Der hält die Hitze weg vom Kopf, verhindert einen Sonnenstich und schützt Nase und Nacken vor Sonnenbrand.
Dominik
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Anagallis
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Re: An Rhein und Erft

Beitrag von Anagallis »

Nächste Station war die Erft ab Bedburg abwärts nach Norden. Der Fluß ist durch Kühlwasser aus einem Kraftwerk und Sümpfungswasser aus dem Braunkohletagebau thermal verseucht. Die hohe Temperatur ermöglicht tropischen Pflanzen und Tieren das überleben. Auf dieser Seite kann man sich dazu näher informieren:
https://heimbiotop.de/Erft-Gillbach-Exkursionen.html

An der Staustufe bei Bedburg-Broich verfangen sich gleich einige Neophyten.
https://www.openstreetmap.org/?mlat=51. ... on=6.57324

Pistia stratiotes, den Wassersalat kennt man aus Tropenhäusern in Botanischen Gärten. An den Ufern der Erft bildet er dichte Teppiche, von denen sich einzelne Pflanzen ablösen und von der Strömung mitgenommen werden. (Unten rechts vor der Uferkolonie im ersten Bild die dunklen Strippen sind Egeria densa, ein weiterer Neophyt, von dem es nur dieses eine Bild gibt.)

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Die Art vermehrt sich auch vegetativ wie Wasserlinsen; die frisch abgenabelten Blättchen sind kaum größer als Spirodela. Die Lemna minuta dazwischen geben einen Eindruck von ihrer Größe.

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Einige Kilometer weiter nördlich wurd ein künstlicher Teich angelegt, der über einen ebenso künstlichen, sich windenden Bach aus dem Fluß gespeist wird.
https://www.openstreetmap.org/?mlat=51. ... on=6.58813

Dort sind drei Exemplare des Herzblättrigen Hechtkrautes, Pontederia cordata ausgebracht worden. Schon ziemlich welk, aber noch zu erkennen.

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Dominik
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