Panicum gilvum Launert - Erstfund für Deutschland?

Zeigt hier eure Pflanzenbilder, zu denen keine Bestimmung mehr benötigt wird
Antworten
Botanica
Beiträge: 328
Registriert: Do Jul 07, 2022 11:12 am
Wohnort: zwischen Köln und Bonn

Panicum gilvum Launert - Erstfund für Deutschland?

Beitrag von Botanica »

Hallo zusammen,

Michael berichtete bereits über ein gemeinsame Exkursion zu den Maisäckern bei Vaals, um dort Panicum gilvum anzusehen. Ein weiteres Ziel war es, diese Pflanze auch auf der deutschen Seite der Grenze zu finden. Aus Zeitgründen ist das nicht gelungen.

Da wegen der anhaltenden Hitze und Trockeneit die Landwirte hier im Großraum Köln - Bonn - Aachen die Mahd forcieren, bin ich heute in aller Frühe noch einmal in die Gegend bei Orsbach gefahren, um die Maisäcker abzusuchen.

Von Aachen-Laurensberg kommend gibt es bereits 3-4 km vor Orsbach einige sehr große, langgestreckte Maisäcker. Die Ränder bin ich alle abgelaufen, leider erfolglos. Mein Eindruck war aber, dass man die Ackerränder in zwei Gruppen einteilen kann.

a) mit diversen, teilweise sogar vielen verschiedenen Ackerbegleitkräutern (aber ohne Echinochloa crus-galli - Hühnerhirse, dazu später mehr)
b) fast ohne jeden Bewuchs, als ob eine Reinigungskolonne mit deutscher Gründlichkeit Unkraut gejätet hat.

Danach bin ich in Ortsnähe in die Nähe der deutsch-niederländischen Grenze gefahren und habe mir weitere Maisäcker angesehen.
Ein Maisacker ist mir ins Auge gefallen, der anders ausgesehen hat: an dessen Rand wuchs Echinochloa crus-galli. Es mag Zufall sein, aber dort habe ich zwei Exemplare von Panicum gilvum gefunden. Ganz typisch, wie Michael bereits schrieb, die"auffälligen "seesternartigen", teilweise niederliegenden Wuchsform". Aber wo genau wuchsen die? War es noch in Deutschland oder schon in den Niederlanden?

Eine Anwohnerin , die mit Ihrem Hund spazierenging konnte Klarheit schaffen. Der asphaltierte Feldweg ist nach dem Verständnis der Anwohner genau die Landesgrenze. Mein Auto parkte also mit zwei Rädern in Deutschland und mit zwei Rädern in den Niederlanden. Und der Fundort der beiden Pflanzen lag etwa 10m auf der niederländischen Seite. Kann man es glauben?

Später fand ich noch ein Massenvorkommen, aber leider auch 50 - 80 m von der deutschen Grenze entfernt.
Interessant: auffällig viel Hühnerhirse am Rand dieses Vorkommens. Kann ein Zufall sein.

Panicum gilvum muss aber doch auch auf der deutschen Seite vorkommen! Also weiter...

Danach bin ich rund um Orsbach viele Feldwege abgefahren und schließlich zu einem Aussichtspunkt gelangt. Äcker so weit das Auge reicht. Mittendrin gelegen eine dunkelgrüne Fläche, die schien mir die letzte Möglichkeit zu sein, heute die gesuchte Art zu finden.
Über verschiedene mehr oder weniger gut befahrbare Feldwege gelangte ich zu dem gesuchten Feld.

Und richtig: an einer Ecke stand wiederum Hühnerhirse, dort begann ich meine Suche und bin tatsächlich fündig geworden.
Ein flächenmäßig kleines Vorkommen, aber mit zahlreichen, zum Teil sehr sehr großen Exemplaren.

Ich habe zwei Belege mitgenommen und möchte sie Uwe Amarell zusenden mit der Bitte um Begutachtung.
Erst nach der Bestätigung des Fundes werde ich das Fragezeichen in der Überschrift löschen.

Und erst dann kann man sagen, dass das Ziel der Exkursion von Michael, Dominik, Uwe und mir vollständig erfüllt ist und der Erstfund dieser Art für Deutschland bestätigt worden ist.

Viele Grüße

Harry
Cogito, ergo sum
Kraichgauer
Beiträge: 2052
Registriert: Mi Jun 22, 2022 10:18 pm
Wohnort: Bruchsal

Re: Panicum gilvum Launert - Erstfund für Deutschland?

Beitrag von Kraichgauer »

Die "nackten" Maisäcker sind mit Sicherheit mit Roundup totgespritzt. Gruß Michael
OG_1
Beiträge: 61
Registriert: Mi Jul 06, 2022 10:24 pm

Re: Panicum gilvum Launert - Erstfund für Deutschland?

Beitrag von OG_1 »

Lieber Harald,
dann schicke mal einen Beleg. Es wird sich klären lassen. Aber wahrscheinlich ist es kein Erstfund für Deutschland, denn es gibt schon Herbarbelege des Kollegen B. aus A. von 2013, die sich jedoch damals nicht eindeutig zuordnen ließen. Meine seinerzeitige Bestimmung schwankte zwischen P. schinzii und P. dichotomiflorum, was sich - jetzt - aus den Merkmalen von P. gilvum erklären lässt.

Mit herzlichen Grüßen
Uwe
Garibaldi
Beiträge: 600
Registriert: Sa Jul 02, 2022 8:48 pm

Re: Panicum gilvum Launert - Erstfund für Deutschland?

Beitrag von Garibaldi »

Der kurze Beitrag von Michael ist sehr erhellend. Bis auf die Elatine im letzten Jahr in einem Schutzgebiet sind die Äcker hier totgespritzt. Ich habe mal gegoogelt. Der Brandenburgische Bauernverband setzt auf Glyphosat, wie die ganz aktuelle Lage ist, weiß ich nicht, es mag auch an der nördlchen Lage liegen,aber Ackerunkräuter (Hirsen) gibt es hier nicht.
scheuchzeria
Beiträge: 81
Registriert: Fr Jul 08, 2022 3:25 pm

Re: Panicum gilvum Launert - Erstfund für Deutschland?

Beitrag von scheuchzeria »

Hallo,
zur Info: Glyphosat ist zumindest in Wasserschutzgebieten mittlerweile ja verboten. Da es über das Blatt wirkt ist es nix für nach der Einsaat. Folglich wird im Mais nach Auflaufen gegen Zweikeimblättrige gespritzt. Erwischt dann Echinochloa, Setaria und Co. als typische Gattung im Mais nicht, so dass die im Mais bei mir oft dabei sind. Mais ist brutal intensiv und meistens artenarm. Aber es gibt im Mais auch immer wieder Überraschungen: so kann man späte Arten wie Misopates und Glebionis auch im Mais finden, in den Stoppeln Kickxia....liegen die gar über Winter, weil Mais auf Mais folgt, habe ich schon Massen von Myosurus gefunden und in Belgien Millionen von Montia arvensis.
Mais gibt es in der Linie Orsbach - Seffent fast nix, vom Boden nicht geeignet, da ist es in Richtung Horbach, Kohlscheid deutlich besser. Ich denke, da habe ich sie schon gesehen ohne zu wissen, dass es gilvum ist. Schau bei Gelegenheit mal rum...
schöne Grüße
Kraichgauer
Beiträge: 2052
Registriert: Mi Jun 22, 2022 10:18 pm
Wohnort: Bruchsal

Re: Panicum gilvum Launert - Erstfund für Deutschland?

Beitrag von Kraichgauer »

Orsbach kam nur deswegen als Idee auf, weil die Art wenige 100 m südlich davon auf niederländischer Seite bei Mamelis häufig ist. Dass es in Orsbach wenig Mais gibt, hatten wir bei der Tour erst zu spät erkannt, und dann hatten wir die Lust verloren, weil wir noch anderswohin wollten. Kohlscheid ist sicherlich eine bessere Idee. Gruß Michael
scheuchzeria
Beiträge: 81
Registriert: Fr Jul 08, 2022 3:25 pm

Re: Panicum gilvum Launert - Erstfund für Deutschland?

Beitrag von scheuchzeria »

Hallo,
ich war gestern fix in NL. Hinter Vaals bei Vijlen war Panicum schnell gefunden. Im Mais, aber auch Kartoffel und Rübe...also klassisch Hackfruchtunkraut. Hier natürlich vom Gräserherbizid geschädigt. Bin dann zwischen Horbach und Kohlscheid im Mais schnell fündig geworden, dann aber den Rest der Zeit nicht mehr. Neophyten sind nicht so meine Lieblingsbaustelle, deshalb stecke ich da nicht so viel Zeit rein, aber P. gilvum gibt es auch bei uns. War jedenfalls morphologisch identisch zu denen in Holland. Hellgrün, kahl knickig-bogig aufsteigend, Rispe gefangen in der Blattscheide. Zusammen mit Echinochloa, Setaria verticillata und Digitaria...
schöne Grüße
Antworten