Cenchrus longispinus (Hack.) Fernald - Langdorniges Stachelgras - jetzt doch!
Verfasst: Mo Aug 25, 2025 10:22 pm
- REVIDIERT 27.8.25 -
Hallo zusammen,
die Gattung Cenchrus (s. str., ohne Pennisetum) kommt vor allem in der Neuwelt vor. In Nordamerika gibt es einige häufige Arten, die weltweit verwilderten, so auch in Europa und drei davon auch bei uns, allerdings bisher nur adventiv.
Diese Arten sind sehr auffällig, weil sie große und kuglige Frucht"kapseln" [hüllenartig zusammengewachsene Spelzen] tragen, die stark und widerhakig bedornt sind (wie ein mittelalterlicher Morgenstern) und außerdem stahlhart. Das kann man an den Dünen der Atlantikküste in Nordamerika am eigenen Leib erfahren, wenn man versucht, barfuß zum Strand hinunterzulaufen - das ist keine gute Idee, und nicht wegen eventueller Schlangen, sondern wegen Cenchrus.
Die Bestimmung ist gar nicht so einfach und ist mit zahlreichen Missverständnissen gepflastert. Verloove et al. (2012, Willdenowia) revidierten zahlreiche europäische Meldungen von "Cenchrus tribuloides L." auf die nahe verwandte Cenchrus longispinus (Hack.) Fernald und konnten keine einzige echte C. tribuloides nachweisen. Deswegen wird bereits in der gedruckten Version der FG auf mögliche Funde von C. longispinus in D hingewiesen. Bei Seeheim-Jugenheim gab es 2023 Neumeldungen für Cenchrus longispinus (in BNH-Fundmeldungen, leg. G. Kothe-Heinrich). Uwe war deswegen dieses Jahr zur Kontrolle dort und fand, dass sich diese Population auf einer offenen Sandfläche entlang einer Waldschneise zwischenzeitlich massiv ausgebreitet und etabliert hat.
Dominik sowie Harry und ich waren ebenfalls dort. Nach einer ganzen Reihe von Verwirrungen und Spekulationen stellte sich heraus, dass es sich auch bei der Darmstadter Population um C. longispinus handelt. Formal sind die 2023er-BNH-Meldungen der Neufund für Deutschland, aber die Art ist sicherlich schon lange vorhanden.
Es ist zu vermuten (müsste aber noch anhand von Herbarexemplaren verifiziert werden), dass alle deutschen Adventivfunde von "C. tribuloides" in Wirklichkeit C. longispinus waren. Filip Verloove sagt, dass er noch nie echten C. tribuloides aus Europa gesehen hat! Auf jeden Fall gehören die in den Botanischen Gärten Mainz und Dresden unter dem Namen "tribuloides" kultivierten Exemplare zu longispinus.
Die Unterscheidung gelingt u. a. wie folgt (siehe Bilder weiter unten):
- C. longispinus ist locker auf den "Kugeln" behaart, C. tribuloides dicht und lang (fast wollig, auch die Stachelbasis!).
- Bei C. spinifex (incertus) sind die Stacheln weniger an der Zahl sowie stark und auffällig verdickt.
- bei C. echinatus ist die Ähre sehr dicht und "kugelreich", und die Stacheln sind recht dünn und kurz.
Gruß Michael
P.S. Auch Conert in Hegi (1997) sagt bereits, dass alle Altmeldungen von C. tribuloides für D falsch waren. Da sieht man mal wieder, dass die schlechte Zugänglichkeit vom Hegi diesen hat mehr oder weniger untergehen lassen... Diese Meldungen von "tribuloides" für D sind wenige alte Funde durchweg vor 1910, die sich genausogut auf den damals nicht berücksichtigten C. longispinus bezogen haben können.
Hallo zusammen,
die Gattung Cenchrus (s. str., ohne Pennisetum) kommt vor allem in der Neuwelt vor. In Nordamerika gibt es einige häufige Arten, die weltweit verwilderten, so auch in Europa und drei davon auch bei uns, allerdings bisher nur adventiv.
Diese Arten sind sehr auffällig, weil sie große und kuglige Frucht"kapseln" [hüllenartig zusammengewachsene Spelzen] tragen, die stark und widerhakig bedornt sind (wie ein mittelalterlicher Morgenstern) und außerdem stahlhart. Das kann man an den Dünen der Atlantikküste in Nordamerika am eigenen Leib erfahren, wenn man versucht, barfuß zum Strand hinunterzulaufen - das ist keine gute Idee, und nicht wegen eventueller Schlangen, sondern wegen Cenchrus.
Die Bestimmung ist gar nicht so einfach und ist mit zahlreichen Missverständnissen gepflastert. Verloove et al. (2012, Willdenowia) revidierten zahlreiche europäische Meldungen von "Cenchrus tribuloides L." auf die nahe verwandte Cenchrus longispinus (Hack.) Fernald und konnten keine einzige echte C. tribuloides nachweisen. Deswegen wird bereits in der gedruckten Version der FG auf mögliche Funde von C. longispinus in D hingewiesen. Bei Seeheim-Jugenheim gab es 2023 Neumeldungen für Cenchrus longispinus (in BNH-Fundmeldungen, leg. G. Kothe-Heinrich). Uwe war deswegen dieses Jahr zur Kontrolle dort und fand, dass sich diese Population auf einer offenen Sandfläche entlang einer Waldschneise zwischenzeitlich massiv ausgebreitet und etabliert hat.
Dominik sowie Harry und ich waren ebenfalls dort. Nach einer ganzen Reihe von Verwirrungen und Spekulationen stellte sich heraus, dass es sich auch bei der Darmstadter Population um C. longispinus handelt. Formal sind die 2023er-BNH-Meldungen der Neufund für Deutschland, aber die Art ist sicherlich schon lange vorhanden.
Es ist zu vermuten (müsste aber noch anhand von Herbarexemplaren verifiziert werden), dass alle deutschen Adventivfunde von "C. tribuloides" in Wirklichkeit C. longispinus waren. Filip Verloove sagt, dass er noch nie echten C. tribuloides aus Europa gesehen hat! Auf jeden Fall gehören die in den Botanischen Gärten Mainz und Dresden unter dem Namen "tribuloides" kultivierten Exemplare zu longispinus.
Die Unterscheidung gelingt u. a. wie folgt (siehe Bilder weiter unten):
- C. longispinus ist locker auf den "Kugeln" behaart, C. tribuloides dicht und lang (fast wollig, auch die Stachelbasis!).
- Bei C. spinifex (incertus) sind die Stacheln weniger an der Zahl sowie stark und auffällig verdickt.
- bei C. echinatus ist die Ähre sehr dicht und "kugelreich", und die Stacheln sind recht dünn und kurz.
Gruß Michael
P.S. Auch Conert in Hegi (1997) sagt bereits, dass alle Altmeldungen von C. tribuloides für D falsch waren. Da sieht man mal wieder, dass die schlechte Zugänglichkeit vom Hegi diesen hat mehr oder weniger untergehen lassen... Diese Meldungen von "tribuloides" für D sind wenige alte Funde durchweg vor 1910, die sich genausogut auf den damals nicht berücksichtigten C. longispinus bezogen haben können.