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So bremst man Mountainbikevandalinnen mit Openstreetmap aus
Verfasst: Mi Nov 26, 2025 10:25 pm
von Anagallis
Seit ein paar Wochen kartiere ich in der Nebensaison für Openstreetmap, einfach um aus dem Haus zu kommen. Dabei bin ich heute auf eine Möglichkeit gestoßen, den Vandalismus durch Mountainbikefahrerinnen in NSGen zu reduzieren. Hier als Beispiel, das NSG "Michaelsberg und Habichtsbuckel" bei Untergrombach. Dort düsen Hobbysportlerinnen rücksichtslos über winzige Pfade die Hänge hinab oder gleich durch die Magerrasen. Zur Beliebtheit für Radlerinnen trägt bei, daß die Strecke von den entsprechenden Tourenseiten im Netz angepriesen wird.
Nur verwenden diese Seiten aber üblicherweise die Daten von Openstreetmap für die Tourenplanung. Das heißt, wenn man dort das Fahrverbot für Räder einträgt, wird dort auch keine Route mehr durchgezogen. Das habe ich heute exemplarisch gemacht, und das ist das Ergebnis:
https://www.openstreetmap.org/direction ... %2C8.55805
Wie man sieht, werden Räder nun von der Kapelle auf dem Berg bis in den Ort außen um das NSG herum geleitet.
Das tolle daran ist:
Das kann jeder machen. Alles was man braucht, ist ein Konto auf
https://www.openstreetmap.org, was in ein paar Minuten angelegt ist. Mit dem auf der Seite eingebauter Editor "iD" kann man dann selbst die Daten ändern. Dazu wählt man den richtigen Kartenausschritt (die grünen Blasen sind meine Bearbeitungshinweise aus dem Feld):

- o1.jpg (232.08 KiB) 752 mal betrachtet
klickt auf "Bearbeiten" und erhält ein Luftbild mit allen Details:

- o2.jpg (257.71 KiB) 752 mal betrachtet
klickt dann das zu ändernde Objekt an und ändert links in der Leiste dessen Eigenschaften, in diesem Fall also die Zugangsrechte::

- o3.jpg (216.95 KiB) 752 mal betrachtet
Zum Schluß geht man rechts oben auf "Speichern", gibt noch eine kurze Textbeschreibung der Änderung an und schickt sie mit "Hochladen" an die Server. So kann man auch illegale Trampelpfade in NSG löschen.
Natürlich soll man da keine Informationen fälschen, aber das Radfahren auf Trampelpfaden in NSG ist ja regelmäßig verboten.
--
Alternativ könn ihr mich auch für bestimmte Änderungen antickern. Mit dem Knopf mit der Sprechblase und dem Pluszeichen (erstes Bild) kann übrigens jede solche Informationen als Hinweis in die Karte schreiben, und mit etwas Glück wird der Hinweis dann bald von den Kartiererinnen eingetragen. Man muß bei Hinweisen aber darauf achten, daß sie so präzise sind, daß eine Dritte auch versteht, was zu tun ist.
Re: So bremst man Mountainbikevandalinnen mit Openstreetmap aus
Verfasst: Do Nov 27, 2025 5:33 pm
von botanix
Hallo,
die Idee ist grundsätzlich gut.
Aber warum sind die Pfade nicht schon vorher richtig markiert worden? Warum reagieren Komoot (besonders) und Outdooractive nicht auf Hinweise und nehmen diese Routen aus ihren Kartenwerken.
Manche Biker interessiert das sowieso nicht, ich bin da schon immer gefahren, ich will jetzt meinen Spaß, also weiter mittendurch. Vor Ort verschwinden Schilder welche die Verbote anzeigen, Absperrungen werden beseitigt.
Wenn ich sehe wie an mehreren Bergen/Hügeln der Umgebung trotz ausgewiesener legaler Trails einfach neue Trails quer durch den Wald angelegt werden, diese Biker interessiert das nicht. Klingeln um den Spaziergänger (mit Hund) zu warnen, oder halt Zuruf, weil die Klingel ja eh nicht vorhanden ist, diese Rücksichtnahme darf man nicht erwarten. Am Ende müsste noch gebremst werden...
Es gibt aber auch genügend Spaziergänger die sich nicht an die Gebote halten und zertrampeln, die Kinder ausgerechnet auf den kleinen Felsen mit den seltenen Pflanzen klettern lassen, Hunde jagen lassen usw.
Gruß
Peter
PS: Diese "ich will das jetzt Mentalität" treibt schon üble Spitzen. Diese Woche in der Zeitung gelesen: Ein junger Mann ärgerte sich über die defekte (und daher geschlossene) Bahnschranke. Kurzerhand hat er sie einfach abmontiert. Etwaige fatale Folgen waren ihm wohl egal, Hauptsache freie Fahrt.
Re: So bremst man Mountainbikevandalinnen mit Openstreetmap aus
Verfasst: Do Nov 27, 2025 5:57 pm
von Anagallis
Das stimmt ja alles soweit, und gegen die Fraktion "ich will aber und habe das schon immer so gemacht" wird auch weiterhin nichts helfen, und Komoot wird jede Kritik auch weiterhin wurscht sein. Aber immerhin haben wir nun ein Werkzeug an der Hand, das die Situation wenigstens etwas entschärfen kann.
botanix hat geschrieben: ↑Do Nov 27, 2025 5:33 pm
Aber warum sind die Pfade nicht schon vorher richtig markiert worden?
Weil das eine unendliche Fitzelsarbeit ist die außerdem Wissen über die lokalen Gegebenheiten erfordert. Viele Wege werden einfach aus den Luftbildern übertragen. Es gibt nur wenige vordefinierte Wegtypen, und sowohl "Pfad" als auch "Fußweg" erlauben Radfahren als Voreinstellung. Alle Abweichungen muß man einzeln für jedes noch so kleine Wegfragment von Hand eintragen. (Solche Fragmente sind zum Teil nur zwei Meter lang.)
Re: So bremst man Mountainbikevandalinnen mit Openstreetmap aus
Verfasst: Do Nov 27, 2025 10:06 pm
von Anagallis
Was man natürlich auch tun kann, ist, die Angeberinnen, die ihre Fahrten filmen und ins Netz stellen, bei der zuständigen Ordnungsbehörde anzuzeigen. Da muß man sich wegen der Verjährung aber sputen.
Re: So bremst man Mountainbikevandalinnen mit Openstreetmap aus
Verfasst: Di Dez 30, 2025 10:59 pm
von Kraichgauer
Vielleicht muss man aber auch die andere Strategie verfolgen. Heute ging eine Meldung durch die Presse, dass Komoot einen Wanderer in der sächsischen Schweiz zum Absturz gebracht hat, weil der Pfad nicht zum Wandern geeignet war. Man könnte ja mal eine Route über eine Steinbruchkante eintragen? (just kidding)...
Gruß Michael
Re: So bremst man Mountainbikevandalinnen mit Openstreetmap aus
Verfasst: Mi Dez 31, 2025 1:45 am
von Anagallis
Tatsächlich ist dieser Weg am Fritschenstein als Bergwanderweg (T2) eingetragen, was in der OSM-Dukumentation so beschrieben ist: "Gelände teilweise steil, Absturzgefahr nicht ausgeschlossen." Ich würde ja jetzt gerne behaupten, daß Komoot Benutzerinnen in den Tod führte, aber hier sieht es nach eigener Schuld aus. Ob man nun unbedingt Aussichtspunkte auf schwer zugänglichen Felsköpfen eintragen muß, kann man bezweifeln.
https://www.openstreetmap.org/#map=19/5 ... /14.121790
Re: So bremst man Mountainbikevandalinnen mit Openstreetmap aus
Verfasst: Mo Jan 05, 2026 9:25 am
von hegau
Danke für die Anleitung, Dominik.
Auf Grund der Vorkommnisse in der Sächsischen SchweizIch hab mich bei Open Streetmap angemeldet und am Hohentwiel die zahlreich eingetragenen, im Gelände kaum mehr auffindbaren Trampelpfade im Felsbereich gelöscht; wegen akuter Lebensgefahr (selbst für Leute, die sich dort auskennen).
Nach nicht mal 2 Tagen waren die Wege aus den Karten entfernt. Scheint also gut zu funktionieren.
Open Streetmap ist ja auch Grundlage für Open Topo Map und Organic Maps (das ich im Gelände oft benutze).
Gruß Thomas
Re: So bremst man Mountainbikevandalinnen mit Openstreetmap aus
Verfasst: Mo Jan 05, 2026 12:04 pm
von Anagallis
hegau hat geschrieben: ↑Mo Jan 05, 2026 9:25 am
Nach nicht mal 2 Tagen waren die Wege aus den Karten entfernt.
Eigentlich geht das sofort, wenn man den Browsercache löscht.
Man muß allerdings mit Löschungen aufpassen; man darf wirklich nur Wege löschen, die nicht mehr erkennbar sind, ansonsten besteht eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, daß die Löschungen rückgängig gemacht werden. Besser wäre es, bei solchen sowieso illegalen Trampelpfaden die Zugangserlaubnis auf "no" zu setzen. Ich behalte das im Auge.
Re: So bremst man Mountainbikevandalinnen mit Openstreetmap aus
Verfasst: Mo Jan 05, 2026 1:07 pm
von Anagallis
Ich habe mir die Änderungen in OSM durchgeguckt. Im Prinzip sind die Löschungen gut. Aber wenn man löscht, wird die nächste Mapperin die Wege einfach wieder neu eintragen, zumindest die, die irgendwie noch erkennbar sind. Deshalb würde das nochmal neu machen (d. h. ich kümmere mich darum):
1. Änderungen rückgängig machen.
2. Die besagten Wege als "abandoned" markieren, Zugang auf "no" setzen und einen Kommentar dranschreiben, daß im NSG Wegegebot gilt und Trampelpfade illegal sind.
(KIeiner Hinweis: Du hast an ein paar Wegen auch den letzten Punkt gelöscht, der zu einer der Asphaltstraßen gehörte. Deswegen sind da jetzt ein paar Kurven abgeschnitten.)
Re: So bremst man Mountainbikevandalinnen mit Openstreetmap aus
Verfasst: Di Jan 06, 2026 8:59 pm
von hegau
Danke, fürs Erledigen!
Gruß Thomas