Potentilla leucopolitana (s. str.) vermutlich wiederentdeckt
Verfasst: Mo Jun 01, 2026 11:34 am
Hallo zusammen,
die Potentilla-collina-Gruppe ist ja noch so eine Baustelle für FG Band IV. Bereits seit einigen Jahren liegen Belege aller noch bekannter deutschen Vorkommen für genetische Analysen in Zürich bei der Arbeitsgruppe Kessler. Die Ergebnisse sollen jetzt endlich im Sommer vorliegen.
Momentan gehe ich aber davon aus, dass es sich bei den collinas durchweg um lokale bis allenfalls klein regionale Sippen handelt, die als lokal stabilisierte Apomikten entstanden. Keine davon dürfte eine wirklich große Verbreitung haben, und wenn es nach "großer Verbreitung" aussieht, dann sind es nur zufällige morphologische Ähnlichkeiten, weil aus denselben Elternarten entstanden. So auch Potentilla leucopolitana, bei der man immer wieder las, dass sie in ganz Mitteleuropa vorkommt. Aber bereits die deutschen Populationen von "leucopolitana" zeigen merkliche Abweichungen untereinander.
Das nächste Problem bei leucopolitana war, dass die Typuspopulation bei Weißenburg schon lange verschwunden ist. Einen Typus gibt es aber noch. Christian Weingart und Thomas Gregor fanden um 2000 noch mehrere Populationen "leucopolitana" ca. 20 km nördlich davon bei Gräfenhausen und Birkweiler. Auch diese Populationen blieben aber trotz vielfacher Nachsuche verschollen. Bei Gräfenhausen fand Günter Blaich schließlich eine collina (heute "Typ Annweiler") genannt, die vom Typus von leucopolitana merklich abweicht. Deswegen hatten wir lange den Verdacht, dass es sich auch den Weingart-Funden nahebei um diesen "Typ Annweiler" handelte und nicht um die echte leucopolitana.
Letzte Woche waren Dominik und ich dann an einer der Weingart-Stellen bei Birkweiler, was weniger als 20 km nördlich des Locus classicus von leucopolitana liegt, also innerhalb der "tolerablen" Grenzen für collina-Arten. Und zu unserer großen Verblüffung wächst dort etwas, was tatsächlich die echte leucopolitana sein könnte: mit Blattformen ähnlich wie verna (und schultzii), aber blattunterseits dicht graufilzig.
Das würde dann auch den "Typ Annweiler", der sehr viel näher an argentea steht, als Rückkreuzung leucopolitana x argentea erklären. Vielleicht ist ja auch bei Gräfenhausen noch etwas von leucopolitana übrig geblieben.
Diese leucopolitana sieht auch den Exemplaren von der Mosel und vom Mittelrhein sehr ähnlich, so dass gut erklärbar ist, warum diese früher darunter gezählt wurden.
Leider ist es jetzt zu spät, die Birkweiler-leucopolitana in die genetischen Analysen einzubringen. Eine 100 % Identität wäre aber sowieso nur mit genetischer Analyse des Holotypus zu beweisen, die nur mit großem Aufwand möglich wäre. Vorläufig gehen wir aber davon aus, dass wir wahrscheinlich die echte leucopolitana wiedergefunden haben.
Für Euch Leser hier die dringende Bitte, an Stellen mit gleichzeitigen Vorkommen von P. verna und P. argentea immer mal wieder unter die Blätter zu gucken. Die collinas sind eigentlich ziemlich einfach zu erkennen: Blattunterseite graufilzig (nicht weißfilzig), mit beiden Haartypen, Blattrand nicht eingerollt. Aber es ist wie bei den Shinys in Pokemon Go: nur sehr viele Versuche ergeben mal einen Treffer.
Gruß Michael
die Potentilla-collina-Gruppe ist ja noch so eine Baustelle für FG Band IV. Bereits seit einigen Jahren liegen Belege aller noch bekannter deutschen Vorkommen für genetische Analysen in Zürich bei der Arbeitsgruppe Kessler. Die Ergebnisse sollen jetzt endlich im Sommer vorliegen.
Momentan gehe ich aber davon aus, dass es sich bei den collinas durchweg um lokale bis allenfalls klein regionale Sippen handelt, die als lokal stabilisierte Apomikten entstanden. Keine davon dürfte eine wirklich große Verbreitung haben, und wenn es nach "großer Verbreitung" aussieht, dann sind es nur zufällige morphologische Ähnlichkeiten, weil aus denselben Elternarten entstanden. So auch Potentilla leucopolitana, bei der man immer wieder las, dass sie in ganz Mitteleuropa vorkommt. Aber bereits die deutschen Populationen von "leucopolitana" zeigen merkliche Abweichungen untereinander.
Das nächste Problem bei leucopolitana war, dass die Typuspopulation bei Weißenburg schon lange verschwunden ist. Einen Typus gibt es aber noch. Christian Weingart und Thomas Gregor fanden um 2000 noch mehrere Populationen "leucopolitana" ca. 20 km nördlich davon bei Gräfenhausen und Birkweiler. Auch diese Populationen blieben aber trotz vielfacher Nachsuche verschollen. Bei Gräfenhausen fand Günter Blaich schließlich eine collina (heute "Typ Annweiler") genannt, die vom Typus von leucopolitana merklich abweicht. Deswegen hatten wir lange den Verdacht, dass es sich auch den Weingart-Funden nahebei um diesen "Typ Annweiler" handelte und nicht um die echte leucopolitana.
Letzte Woche waren Dominik und ich dann an einer der Weingart-Stellen bei Birkweiler, was weniger als 20 km nördlich des Locus classicus von leucopolitana liegt, also innerhalb der "tolerablen" Grenzen für collina-Arten. Und zu unserer großen Verblüffung wächst dort etwas, was tatsächlich die echte leucopolitana sein könnte: mit Blattformen ähnlich wie verna (und schultzii), aber blattunterseits dicht graufilzig.
Das würde dann auch den "Typ Annweiler", der sehr viel näher an argentea steht, als Rückkreuzung leucopolitana x argentea erklären. Vielleicht ist ja auch bei Gräfenhausen noch etwas von leucopolitana übrig geblieben.
Diese leucopolitana sieht auch den Exemplaren von der Mosel und vom Mittelrhein sehr ähnlich, so dass gut erklärbar ist, warum diese früher darunter gezählt wurden.
Leider ist es jetzt zu spät, die Birkweiler-leucopolitana in die genetischen Analysen einzubringen. Eine 100 % Identität wäre aber sowieso nur mit genetischer Analyse des Holotypus zu beweisen, die nur mit großem Aufwand möglich wäre. Vorläufig gehen wir aber davon aus, dass wir wahrscheinlich die echte leucopolitana wiedergefunden haben.
Für Euch Leser hier die dringende Bitte, an Stellen mit gleichzeitigen Vorkommen von P. verna und P. argentea immer mal wieder unter die Blätter zu gucken. Die collinas sind eigentlich ziemlich einfach zu erkennen: Blattunterseite graufilzig (nicht weißfilzig), mit beiden Haartypen, Blattrand nicht eingerollt. Aber es ist wie bei den Shinys in Pokemon Go: nur sehr viele Versuche ergeben mal einen Treffer.
Gruß Michael