Historische Artnamen

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Marlies
Beiträge: 77
Registriert: Sa Jul 02, 2022 11:32 pm

Historische Artnamen

Beitrag von Marlies »

In alter Literatur findet man manchmal den Fall, dass das Artepitheton groß geschrieben ist, z. B. Geranium Robertianum vs. Geranium molle im HEGI. Bestimmt weiß jemand den Hintergrund.
Marlies
Maltus
Beiträge: 88
Registriert: So Jul 03, 2022 4:24 pm

Re: Historische Artnamen

Beitrag von Maltus »

Hallo Marlies,
ich weiß es leider nicht, habe aber die Vermutung: wenn Artepitheton von einem Eigennamen ("Robert") hergeleitet, dann: groß; wenn von einem Adjektiv (mollis = weich, sanft) hergeleitet, dann: klein. Das müsste sich aber durch ein wenig Nachblättern in besagter älterer Literatur klären lassen. Wobei ich nicht weiß, um beim konkreten Beispiel zu bleiben, woher die wissenschaftliche Bezeichnung Geranium Robertianum stammt. Auf der Seite des NABU Mecklenburg-Vorpommern gibt's dazu die folgende nette Geschichte, sicher aus dem Reich der Legenden: " Dem Volksmund nach hatte Carl von Linné einen unsympathischen Bekannten namens Robert. Als Linné das Ruprechtskraut benennen wollte, musste er bei dessen üblem Geruch an Robert denken und so benannte er die Pflanze nach ihm."
Freundliche Grüße
Georg
Marlies
Beiträge: 77
Registriert: Sa Jul 02, 2022 11:32 pm

Re: Historische Artnamen

Beitrag von Marlies »

Hallo Georg,
danke für deinen Beitrag, mit dem du mich sogar zum Lachen gebracht hast. Unersetzlich!
Jetzt ernsthaft: Deine Idee hatte ich auch schon, habe mich aber durch Wikipedia ein bisschen verunsichern lassen: "Die Namensgebung soll auf den heiligen Ruprecht verweisen, den ersten Bischof und Landesheiligen von Salzburg. Er soll die Verwendung des Heilkrauts gelehrt haben. Ebenfalls möglich ist ein Zusammenhang mit dem althochdeutschen Ausdruck rōtpreht ‚rötlich‘, der auf die Färbung der Pflanze Bezug nimmt." Hm ...
Inzwischen habe ich aber noch einmal im Hegi-Inhaltsverzeichnis herumgestochert und bin jetzt überzeugt, dass du recht hast. Auch Namen von Ländern oder Regionen pflegte man groß zu schreiben, z. B. Anthemis Austriaca.
Marlies
Kraichgauer
Beiträge: 443
Registriert: Mi Jun 22, 2022 10:18 pm
Wohnort: Bruchsal

Re: Historische Artnamen

Beitrag von Kraichgauer »

Das war früher tatsächlich so üblich, dass bei Ableitungen von Eigennamen das Epitheton groß geschrieben wurde (z. B. Linnaei). Das ist dann irgendwann mal mit einer neuen Version des ICBN auf "klein" vereinheitlicht worden, keine Ahnung wann, aber es muss schon recht früh gewesen sein (geschätzt so 1940er bis 1950er Jahre). In der ersten Auflage des Hegi (1920er Jahre) war es dagegen noch so.
Ich meine auch, es ist wohl nicht "auf einen Schlag" passiert, sondern graduell.

OT: Solche Dinge werden Linné öfters zugeschrieben. Ich kenne eine andere - sicherlich ebenso falsche - Variante, dass Linné den Namenspatron Elias Tillandz nicht leiden konnte, und deswegen den Greisenbart nach dem altersgrauen Tillandz benannte.
In Wikipedia steht wiederum eine andere Variante drin: "Fernald erzählt in Gray’s Manual of Botany, 8. Auflage, 1950, S. 391, dass Tillandz auf einer Reise seekrank wurde und er deshalb den weiten Rückweg zu Fuß bewältigte. Linné wählte den Gattungsnamen, da er dachte, dass auch die Tillandsien kein Wasser vertragen."
Diese Stories gehen also schon arg lange zurück.

Gruß Michael
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