Hallo,
in den Schlüsseln zu Eragrostis in der Fachliteratur muss man sich festlegen
- ob kleine Drüsen an den Blatträndern vorhanden sind oder nicht
- ob am Ansatz des obersten Blattes feine lange Härchen vorhanden sind (und noch weitere Dinge mehr).
Diese Fragen lassen sich aber meiner Meinung nach sehr oft nicht eindeutig beantworten:
a) Unter dem Bino haben bei starker Vergrößerung alle Eragrostis-Pflanzen am Blattrand kleine bis winzige Drüsen/Wülste (zumindest im proximalen Bereich des Blattes nahe der Blattscheide). Bei E. minor (die einzige Art, die leicht und eindeutig zu bestimmen ist) sind sie sehr deutlich, bei den anderen Arten weniger deutlich, aber doch vorhanden. Wo liegt denn die Grenze zwischen "ja" oder "nein"?
b) Gleiches gilt für die Härchen am Blattansatz; mal sind sie sehr deutlich (nahezu büschelig und mit bloßem Auge gut sichtbar), mal sind nur ein bis zwei extrem feine (aber ziemlich lange) Härchen vorhanden. Auch hier ist mir noch keine Pflanze untergekommen, die wirklich null Haare hatte (ebenfalls unter dem Bino betrachtet).
Folglich sind meiner Erfahrung nach die existenten Schlüssel nicht hilfreich, bzw. sie führen sehr häufig zu falschen Ergebnissen.
Gibt es hier im Forum jemanden, der viel Erfahrung mit Eragrostis gesammelt hat und der sich bei der Bestimmung der Arten sehr sicher ist? (und evtl. anhand von Detailfotos sagen kann, um welche Art es sich handelt)
Ich freue mich auf viele Antworten.
Eragrostis-Arten bestimmen
Forumsregeln
Bitte immer den Fundort (Land, Stadt, Habitat etc.) und das Funddatum angeben. TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg im Forum.
Bitte immer den Fundort (Land, Stadt, Habitat etc.) und das Funddatum angeben. TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg im Forum.
Re: Eragrostis-Arten bestimmen
Hallo,
Eragrostis-Bestimmung ist wirklich nicht ganz einfach und die Schlüssel haben alle ihre Tücken. Daher ein paar Hinweise:
zu Punkt a: hier sollte es schon möglich sein, zwischen Arten mit deutlichen Drüsen am Blattrand (E. minor, E. cilianensis) und den Arten ohne Drüsen zu unterschieden. Man muss nur immer aufpassen, da sich die Blattränder beim Austrocknen leicht einrollen, dann übersieht man die Drüsen leicht. Fragliche Fälle sind mir in diesem Punkt noch nie untergekommen, wenn man letzteres berücksichtigt.
zu Punkt b: hier muss man zunächst unterscheiden zwischen dem üblichen Haarkranz (als Ersatz der häutigen Ligula) der immer vorhanden ist und manchmal auch aus der Blattscheide schaut und der Behaarung am Blattgrund (meist deutlich länger und kräftiger). Falls sich die Anfrage auf die Unterscheidung E. pilosa/E. multicaulis bezieht, gibt es aber schon ein paar Einschränkungen bei diesem Merkmal: auch E. multicaulis kann ein paar einzelne Haare (2-3) an der oberen Blattscheidenmündung besitzen und dies ist auch gelegentlich zu sehen, E. pilosa hat meist ein deutliches Büschel solcher langen Haare, aber es gibt auch Exemplare, bei denen nur wenige oder gar keine Haare zu finden sind. Das Ganze taugt nur bedingt als Bestimmungsmerkmal.
Unsere heimischen Eragrostis-Arten sind zum Teil sehr schwer zu bestimmen, hier hilft nur langes Einarbeiten und selbst dann bleibt es in Einzelfällen schwierig. Es gibt für diese Gattung bisher keinen wirklich funktionierenden Schlüssel, über die Ursachen kann man streiten.
Mit besten Grüßen
Uwe
Eragrostis-Bestimmung ist wirklich nicht ganz einfach und die Schlüssel haben alle ihre Tücken. Daher ein paar Hinweise:
zu Punkt a: hier sollte es schon möglich sein, zwischen Arten mit deutlichen Drüsen am Blattrand (E. minor, E. cilianensis) und den Arten ohne Drüsen zu unterschieden. Man muss nur immer aufpassen, da sich die Blattränder beim Austrocknen leicht einrollen, dann übersieht man die Drüsen leicht. Fragliche Fälle sind mir in diesem Punkt noch nie untergekommen, wenn man letzteres berücksichtigt.
zu Punkt b: hier muss man zunächst unterscheiden zwischen dem üblichen Haarkranz (als Ersatz der häutigen Ligula) der immer vorhanden ist und manchmal auch aus der Blattscheide schaut und der Behaarung am Blattgrund (meist deutlich länger und kräftiger). Falls sich die Anfrage auf die Unterscheidung E. pilosa/E. multicaulis bezieht, gibt es aber schon ein paar Einschränkungen bei diesem Merkmal: auch E. multicaulis kann ein paar einzelne Haare (2-3) an der oberen Blattscheidenmündung besitzen und dies ist auch gelegentlich zu sehen, E. pilosa hat meist ein deutliches Büschel solcher langen Haare, aber es gibt auch Exemplare, bei denen nur wenige oder gar keine Haare zu finden sind. Das Ganze taugt nur bedingt als Bestimmungsmerkmal.
Unsere heimischen Eragrostis-Arten sind zum Teil sehr schwer zu bestimmen, hier hilft nur langes Einarbeiten und selbst dann bleibt es in Einzelfällen schwierig. Es gibt für diese Gattung bisher keinen wirklich funktionierenden Schlüssel, über die Ursachen kann man streiten.
Mit besten Grüßen
Uwe
Re: Eragrostis-Arten bestimmen
Hallo Uwe,
besten Dank für die schnelle Antwort.
zu a) Eingerollte Blätter sind nicht das Problem (über Nacht wässern hilft immer). Zur Veranschaulichung ein Foto (30fache Vergrößerung eines Blattausschnitts nahe der Blattbasis): links ist 100%ig E. minor, rechts ist 100%ig nicht E. minor (ich habe die ganzen Pflanzen neben mir in der Vase). Bei der rechten vermute ich aufgrund der sonstigen Merkmale E. pilosa. D.h. die rechte "dürfte/soll" laut Schlüssel keine Drüsen haben.
zu b) Die Unterscheidung pilosa/multicaulis ist m.E. eher unproblematisch, da diese Arten sich habituell relativ gut unterscheiden (pilosa: höherwüchsig, schlanker, strebt mehr nach oben; multicaulis: niedrigwüchsig, vielstängelig, eher gekrümmt aufsteigend). Schwieriger ist pilosa/albensis (letztere nimmt bei uns tendenziell zu). Hier bin ich noch eher ratlos (m.E. liegen bei pilosa die Ährchen der Achse stark an, bei albensis spreizen sie mehr ab).
Falls es eine Spezialveröffentlichung oder gar Doktorarbeit o.ä. zu Eragrostis geben sollte, bitte ich um Hinweise.
Beste Grüße
Norbert
besten Dank für die schnelle Antwort.
zu a) Eingerollte Blätter sind nicht das Problem (über Nacht wässern hilft immer). Zur Veranschaulichung ein Foto (30fache Vergrößerung eines Blattausschnitts nahe der Blattbasis): links ist 100%ig E. minor, rechts ist 100%ig nicht E. minor (ich habe die ganzen Pflanzen neben mir in der Vase). Bei der rechten vermute ich aufgrund der sonstigen Merkmale E. pilosa. D.h. die rechte "dürfte/soll" laut Schlüssel keine Drüsen haben.
zu b) Die Unterscheidung pilosa/multicaulis ist m.E. eher unproblematisch, da diese Arten sich habituell relativ gut unterscheiden (pilosa: höherwüchsig, schlanker, strebt mehr nach oben; multicaulis: niedrigwüchsig, vielstängelig, eher gekrümmt aufsteigend). Schwieriger ist pilosa/albensis (letztere nimmt bei uns tendenziell zu). Hier bin ich noch eher ratlos (m.E. liegen bei pilosa die Ährchen der Achse stark an, bei albensis spreizen sie mehr ab).
Falls es eine Spezialveröffentlichung oder gar Doktorarbeit o.ä. zu Eragrostis geben sollte, bitte ich um Hinweise.
Beste Grüße
Norbert
Re: Eragrostis-Arten bestimmen
Hallo Norbert,
die Blattstücke sind wenig aussagefähig, meines Erachtens ist beides E. minor. E. pilosa/albensis/multicaulis besitzten keine solchen Drüsen am Blattrand. Vielleicht kannst du die ganzen Pflanzen mal dazu zeigen? Wo botanisierst du denn? E. pilosa hat ja in Deutschland ein sehr beschränktes Verbreitungsgebiet, das sich im wesentlichen auf den Südwesten konzentriert.
Die umfangreichste Spezialarbeit zu Eragrostis ist Robert Portals "Eragrostis de France et de l'Europe occidentale". Dort sind immerhin 90 Sippen verschlüsselt. Bestimmungsprobleme gibt es jedoch auch mit diesem Schlüssel.
Daneben gibt es eine Reihe von Artikeln, die sich mit dieser Gattung beschäftigen (z.B. von J. Röthlisberger: "Die Gattung Eragrostis in der Schweiz – eine Standortbestimmung" oder von H. Scholz und M. Ristow: "Neue Nachrichten über die Gattung Eragrostis (Gramineae) in Mitteleuropa"). An Literatur fehlt es sicher nicht, aber noch immer an eindeutigen und anwendbaren Bestimmungsmerkmalen.
Viele Grüße
Uwe
die Blattstücke sind wenig aussagefähig, meines Erachtens ist beides E. minor. E. pilosa/albensis/multicaulis besitzten keine solchen Drüsen am Blattrand. Vielleicht kannst du die ganzen Pflanzen mal dazu zeigen? Wo botanisierst du denn? E. pilosa hat ja in Deutschland ein sehr beschränktes Verbreitungsgebiet, das sich im wesentlichen auf den Südwesten konzentriert.
Die umfangreichste Spezialarbeit zu Eragrostis ist Robert Portals "Eragrostis de France et de l'Europe occidentale". Dort sind immerhin 90 Sippen verschlüsselt. Bestimmungsprobleme gibt es jedoch auch mit diesem Schlüssel.
Daneben gibt es eine Reihe von Artikeln, die sich mit dieser Gattung beschäftigen (z.B. von J. Röthlisberger: "Die Gattung Eragrostis in der Schweiz – eine Standortbestimmung" oder von H. Scholz und M. Ristow: "Neue Nachrichten über die Gattung Eragrostis (Gramineae) in Mitteleuropa"). An Literatur fehlt es sicher nicht, aber noch immer an eindeutigen und anwendbaren Bestimmungsmerkmalen.
Viele Grüße
Uwe