Anagallis hat geschrieben: ↑Mo Aug 11, 2025 12:22 pm
Um den Ihnhalt der Samenbank zu prüfen, kann man sie einfach aussäen. Das wird ja manchmal absichtlich oder unabsichtlich gemacht, etwa wenn Baggerschlamm auf Flächen ausgebracht wird. Es reicht auch nicht, eine kleine Probe zu nehmen. Die seltenen Arten stehen ja nicht flächendeckend in den Gebieten.
Immergrün hat geschrieben: ↑Mo Aug 11, 2025 11:31 am
Wie seht ihr das? Haltet ihr eine solche umfassende Dokumentation für machbar und den Aufwand für gerechtfertigt?
Na ja, wer soll das alles machen? Schon die Flora Germanica ist ein Mammutprojekt, und da sind die Arten bloß in Vollblüte zu sehen.
Gibt es vielleicht schon Projekte oder Datenbanken in diese Richtung, die ich übersehen habe?
Es gibt diverse Bücher zur Bestimmung von Ackerkräutern im Jungstadium und einen gedruckten Samenatlas für die Karpaten. An der Uni Groningen gibt es diesen Samenatlas:
https://dpa.web.rug.nl/repository . Auf Flora-De sind ebenfalls einige Vegetationsstadien zu sehen, aber nicht systematisch. Samen- und Fruchtfotos sind in Spezialfällen sehr nützlich oder zwingend notwendig. Samen lassen sich im Gegensatz zu Keimlingen sehr gut herbarisieren und nach langer Zeit noch untersuchen.
Welche Erfahrungen habt ihr bei der Bestimmung von Keimlingen gemacht?
In vielen Fällen erschließt sich die Art oder Artengruppe aus dem Standort. Im allgemeinen ist die Samenstruktur oft hilfreicher als die Keimblätter.
Ja, das stimme ich zu, man kann die Pflanzen auch einfach aussäen, um sie zu bestimmen. Aber das ist ein langwieriger Prozess. Spannend wäre es doch, schon Keimlinge direkt im Feld sicher identifizieren zu können. Damit ließen sich nicht nur schneller die Potenziale von Samenbanken erschließen, man könnte auch Rückschlüsse auf die Landschaftsgenese ziehen. Das wäre besonders wertvoll für Flächen, über deren historische Nutzung es nur wenige Daten gibt, oder für Gebiete, die bisher wenig beachtet und daher unzureichend oder zu spät kartiert wurden. Ich denke, das würde einige Prozesse zumindest zielgerichteter und schneller machen.
Ich sehe da auch einen konkreten Anwendungsfall für die Zukunft: Heutige Mähroboter sind ein Graus, weil sie den Menschen dabei helfen, selbst das letzte Gänseblümchen aus dem Rasen zu verdrängen. Interessant wären hier smarte Mähroboter/Jätroboter ( ein paar Ansätze in der Richtung gibt es ja) die gezielt bestimmte Keimlinge erkennen und stehen lassen könnten. Für die großflächige Landschaftspflege ist das aber sicherlich weniger relevant. Dort halte ich die Beweidung durch Tiere aufgrund der vielfältigen ökologischen Prozesse – wie Sporen- und Samenverteilung, partielle Düngung und die Dung-Ökologie – für überlegen.
Um die Datengrundlage dafür zu schaffen, könnte ein Citizen-Science-Projekt zielführend sein. Man bräuchte natürlich Kontrollmechanismen. Beispielsweise könnten Bilderserien erst dann in den Datenpool aufgenommen werden, wenn das letzte Foto die Pflanze eindeutig in Blüte zeigt und so eine sichere Bestimmung vorliegt. Man muss sich nur vorstellen wie viele Leute diverse Pflanzen aussäen, das wäre ein großer Datenschatz. Ich persönlich bin auch dazu übergegangen, von den Dingen, die ich gezielt aussäe, immer wieder Fotos der Jungpflanzen zu machen. Allerdings merkt man schnell: Ohne eine gute Datenstruktur wird das Ganze sehr unübersichtlich.
Was Samen angeht stimme ich auch zu ist auch bezogen auf die Lebenszeit der Pflanze, insofern man das Samenkorn als Teil der Lebensphase betrachtet
Die genannten Projekte muss ich mir mal anschauen, aber gut das so etwas in der Richtung gemacht wird.
@kraichgauer Danke für den Hinweis! Bezieht sich das hauptsächlich auf Ackerpflanzen, oder?
Ich kann mir gut vorstellen, dass es Sinn ergibt, sich zunächst auf diese Arten zu konzentrieren. Äcker sind ja sehr schnelllebige Lebensräume, und dort ist es entscheidend, die Arten schnell zu erkennen, bevor wieder gepflügt wird.
Aber für andere Standorte gibt es doch sicher auch noch Potenzial, oder? Gerade Moor-Standorte stelle ich mir bezüglich ihres Samenbank-Potenzials sehr spannend vor, da dort viele Samen durch die besonderen Bedingungen über lange Zeiträume konserviert werden.