Wo kommen denn die "jungen Familien und Gattungen" her, wenn nicht von alten?
Du meinst, das Konvergenzproblem erledigt sich mit der Zeit, weil sowieso alles konvergiert in einer "Näherungslösung an die optimale Lösung". Deswegen sollte man Deiner Meinung nach differenzieren nach dem "Erbgut", das verschieden ist, auch wenn es zum gleichen Ziel (Fitness) führt.
Anagallis hat geschrieben: ↑Do Jul 23, 2026 10:54 am Ich habe überhaupt kein Problem damit, mir tausend äußerlich identisch aussehende Käferarten vorzustellen, die sich nur dadurch unterscheien, daß sie nicht fortpflanzungsfähig kreuzbar sind. Dafür braucht es nicht einmal Unterschiede an den Genitalorganen. Es ist bloß ein Nachteil für die Fitness, wenn die Käfer ihre Sexualpartner nicht finden können, und lange Zeiträume beseitigen solche Nachteile (durch Mutation oer Aussterben). Das ist Stochastik.
Anagallis hat geschrieben: ↑Di Jul 21, 2026 11:13 amWenn ich auf meinem Rechner einen genetischen Algorithmus für irgendeine komplexe Aufgabe laufen lasse, kommt wahrscheinlich jedesmal eine anderes Erbgut heraus, das die Aufgabe dennoch auf ähnliche Weise löst. Das liegt daran, daß es für solche Aufgaben meist nur überschaubar viele Näherungslösungen an die optimale Lösung gibt. Das liegt an der Natur der Sache. Einen inneren Zusammenhang oder sogar ein eingebautes Entwicklungsziel braucht man nicht, um das zu erklären. Insofern erscheint mir die Fixierung darauf Ähnliches ungeachtet seiner Entstehungsgeschichte in einen Topf werfen zu wollen als willkürlich.
Wenn Du auf Deinem Rechner "einen genetischen Algorithmus für irgendeine komplexe Aufgabe laufen" lässt, dann hast Du ein "eingebautes Entwicklungsziel". Die Frage ist tatsächlich, ob man damit ein passendes Modell für die natürlichen Entwicklungsvorgänge hat. Aber diese Frage muss ich
Dir stellen.
Du gehst von einem eingebauten Entwicklungsziel aus. Stochastik allein führt
nicht zu irgend einem Ziel.
Stell Dir meinethalben ein
Sempervivum vor, das in einem Moospolster auf einem Felsen wächst! Es bewältigt gelegentliche Trockenheit durch Sukkulenz, während das Moos austrocknungsresistent, poikilohydrisch ist. Beides geht. Nun überleg Dir irgend einen Schritt eines hypothetischen
Sempervivum-Vorfahren in Richtung Sukkulenz! Damit der zum Ziel führt, müssen weitere Schritte in diese Richtung gegangen werden. Rein stochastisch wäre aber anzunehmen, dass unterwegs der erste Schritt wieder wegmutiert und vielleicht durch einen anderen in Richtung Poikilohydrie ersetzt wäre. Dann nützt der spätere Schritt nichts mehr.
Das ist Stochastik. Mit einer abstrakten Fitnessidee kommst Du da nicht weiter. Die Fitness ist genau so differenziert wie die Wege dorthin. Deshalb die Notwendigkeit, Konvergenzen ernster zu nehmen. "Fixierung darauf, Ähnliches ungeachtet seiner Entstehungsgeschichte in einen Topf werfen zu wollen" liegt bei
mir nicht vor. Vor dem Hintergrund verschiedener Entstehungsgeschichten werden aber die Ähnlichkeiten ebenso interessant wie die Unähnlichkeiten vor dem Hintergrund
gleichen Ursprungs.